Die „Dino-Klassen“ bauen sich ein Schloss

Die „Dino-Klassen“ bauen sich ein Schloss

Kultur am Vormittag: Die Grundschule Mirker Bach zeigte Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Künstlerin Kristina Kühne.

Elberfeld. In jeder Woche wird in den „Kultur am Vormittag“ (KuVo) Klassen getanzt, inszeniert, musiziert oder gestaltet. Damit sich auch andere von den Ergebnissen überzeugen können, laden Schülerinnen und Schüler einmal im Jahr andere Klassen und auch die Eltern und Sponsoren ein, die kreativen Werkstätten zu besuchen.

In die „Dino-Klassen“ der Grundschule Am Mirker Bach kommt seit dreieinhalb Jahren die bildende Künstlerin Kristina Kühne. Seit Weihnachten stand hier das Märchen „Dornröschen“ von den Brüdern Grimm im Mittelpunkt des Unterrichts. Die Geschichte wurde vorgelesen und die Kunstpädagogin brachte Bilder von Schlössern mit. Die Idee: Die Schüler sollten ihre eigenen Schlösser entwickeln, mit Türmen und Wassergräben, Eingangstoren, Springbrunnen oder auch Rundbögen über den Fenstern.

Mittels Stempeltechnik brachten die Kinder zunächst ihre Vorstellungen vom Dornröschenschloss auf Papier. Wundervolle Fantasieschlösser machten aus der grauen Wandtafel an diesem Tag ein Meer aus farbenfrohen kleinen Kunstwerken.

Im zweiten Schritt wurden die Schlösser dann gebaut. Aus Pappe, Eier- oder Schuhkartons, Teppichresten und Käseschachteln aus Holz um nur einige Materialien zu nennen. So hatten Jonas (9) und Leonardo (8) ihrer Burg den Namen „Schloss-Burg-Schreckenstein“ gegeben und sogar einen Brunnen und eine Kutsche davor gestellt. Der neunjährige Yasin hatte sein Schloss alleine gebaut und mit einem großen Schild „Privat - Zutritt verboten“ versehen. „Hier wohnt ein komischer Mensch“, erklärte er.

„Unser Schloss heißt Dornröschenschloss“ ist auf dem Schild vor einem geradezu majestätischen Schloss zu lesen. Eine Treppe aus unzähligen Toilettenpapierrollen führt zum imposanten Eingang. Andere hatten ihr Schloss liebevoll eingerichtet, Bilder an die Wände, Gardinen vor die Fenster gehängt und Glitzersteine zur Verzierung im Spielzimmer angebracht. „In unserem Schloss gibt es eine Dienerin, die kocht und putzt“, erklärten die Geschwister Mirac und Melis, die sich bei diesem Projekt zusammen getan hatten.

Alessandro (7) hatte als Einziger ein Boot mit zwei Rudern vor sein Schloss gestellt und war auch Ideengeber für die Springbrunnen, die nach seinem Vorbild wie die Pilze aus dem Boden schossen.

„Wir machen auch Naturstudien. Holen uns Gemüsesorten, gucken sie uns genau an und zeichnen sie dann ab“, sagt Kristina Kühne mit Blick auf die Bilder mit Möhren und Kartoffeln, Paprika und Kohlkopf, die in einem großen Rahmen im Treppenhaus der Schule zu sehen sind. „Dieser jahrgangsgemischte Unterricht funktioniert auch im Kunstunterricht sehr gut. Die Großen unterstützen die Kleinen“, erklärt die Kunstpädagogin, die an zwei Grundschulen unterrichtet. In Zusammenarbeit mit der Stadt unterstützt die Winzig Stiftung das Projekt „Kultur am Vormittag“.

Bei so viel Schlossbegeisterung verwundert es nicht, dass Klassenlehrerin Hiltrud Rasch für demnächst einen Besuch auf Schloss Burg fest eingeplant hat.

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