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Mockumentary: Das Wunder von Wuppertal: Ein Funkloch wird berühmt

Mockumentary : Das Wunder von Wuppertal: Ein Funkloch wird berühmt

Elberfeld. Smilies und @-Zeichen die vom Himmel fallen, abgebrochene Gespräche und Datenhagel, der Autos und Dächer beschädigt. Die Anwohner der Straße „Im Funkloch“ mussten einiges mitmachen.

„Ende der 90er Jahre ging das plötzlich los, wo diese elektrische Revolution entstand, mit den Handys“, erzählt Herbert Köster mit ernster Stimme im Film „Das Wunder von Wuppertal“, der seit kurzem im Internet für Furore sorgt. Aller Datenmüll sammelte sich „Im Funkloch“ — für dessen Bewohner ein echter Leidensweg. Doch sie arrangieren sich mit den Tücken, drucken T-Shirts mit dem Slogan „Fun, Fun, Funkloch“, bauen ein Datenarchiv auf, und es gibt sogar einen Techno-Hit zum Funkloch — bis ein Mobilfunkanbieter für bessere Netze sorgt und das Funkloch nicht mehr Funkloch ist.

Ist natürlich alles Quatsch, man muss sogar sagen, erstunken und erlogen. Denn der gut fünf Minuten lange Film „Das Wunder von Wuppertal“ gehört zum Genre der sogenannten Mockumentary, ein fiktionaler Dokumentarfilm, der die echten parodiert — und nebenbei Werbung für O2 macht. Die Story ist deshalb hanebüchen, das einzig Wahre der Name der Straße: Im Funkloch gibt es in der Elberfelder Südstadt.

Herbert Köster heißt in Wirklichkeit Joachim Ritterbach und war gemeinsam mit seiner Frau Erika einer der Laiendarsteller aus Wuppertal. „Ist doch schön geworden“, sagt der 74-Jährige und lacht. Die Dreharbeiten hätten richtig Spaß gemacht. Das Mitwirken im Film, für das Ehepaar eine Premiere.

Dabei kamen die beiden nur zufällig dazu. Ritterbach fährt nebenbei noch Taxi, ein Auftrag führte ihn ins Funkloch, von wo Mitglieder des Drehteams zurück ins Hotel wollten. „Im Wagen haben wir dann gequatscht und dann ging das ganz schnell.“ Der Rentner punktete offenbar mit seiner authentischen Ausstrahlung, die auch im Film gut rüberkommt. Man nimmt ihm die Story fast ab, wenn sie nicht eben so abstrus wäre.

Hans-Jürgen Vitenius, Bezirksbürgermeister

Viel Spaß hatte auch Helmut Klamra, der an der Concordienstraße seinen Briefmarkenladen betreibt — aus dem im Film ein „E-Mail- und Münzengeschäft“ wird. „Ist ja auch ein bisschen Werbung für mich“, sagt er und fügt an: „Aber das ist doch vor allem auch positiv für Wuppertal, wenn die Stadt ins Gespräch kommt.“

Das findet auch Elberfelds Bezirksbürgermeister Hans-Jürgen Vitenius (SPD). „Der Film ist grandios.“ Er habe ihn schon vielen Leuten gezeigt. Und beim nächsten Besuch bei Bekannten in der Lüneburger Heide will er natürlich auch seinen Laptop mitnehmen. „Hoffentlich versteht aber jeder den Gag, dass es das Funkloch wirklich bei uns gibt.“

Aber nur einmal in Deutschland. Das sei auch der Grund, warum man auf den Drehort gekommen sei, erinnern sich Nicole Holzenkamp und Johann Lagemann von der Kreativ-Agentur Kolle Rebbe aus Hamburg an die Entstehung, des Spots, der bereits auf mehr als zwei Millionen Views im Internet kommt. „Es ging darum, das Thema ,Netz’ emotional-unterhaltsam umzusetzen“, sagt Holzenkamp.

Und das auf skurrile Weise. „Nichts war durchinszeniert“, erklären die Beiden und loben Regisseur Niklas Weise für seine Arbeit. Dank seiner komme der Film so authentisch rüber. „Das sind alles Wuppertaler Originale im Film.“ Und die Akteure seien natürlich auch super. Alle Darsteller habe man leider gar nicht in der Endfassung unterbringen können, bedauert Holzenkamp.

Und was sagen die Leute, die wirklich im Funkloch wohnen? Noch nicht bei allen ist der Spot angekommen. Zumindest die Dreharbeiten hatten sich aber rumgesprochen, ein paar Anwohner tauchen auch auf. Sebastian Rzytki findet die Werbung gelungen, weil sie eben nicht aufdringlich sei. „Das ist eine gute Idee.“ Wirkliche Empfangsprobleme habe es im Funkloch aber nie gegeben, schmunzelt er.

Der Name hat übrigens auch rein gar nichts mit den Tücken der modernen Technik zu tun. Wie Wolfgang Stock in seinem Buch „Wuppertaler Straßennamen“ schreibt, geht er wohl auf einen alten Personennamen zurück. Eine Hofschaft gleichen Namens ist bereits im 16. Jahrhundert erwähnt — also lange vor dem Handyzeitalter.