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Das Apfelfest verbindet die Menschen im Stadtteil

Das Apfelfest verbindet die Menschen im Stadtteil

Die Begegnungsstätte Alte Synagoge hatte am Wochenende zur Traditionsfeier eingeladen.

Elberfeld. Schon Tradition war an diesem Septembersonntag das Apfelfest in der Begegnungsstätte Alte Synagoge. Die zehn Apfelbäume hatten wieder genug Ertrag gebracht, um zum beherzten Zugreifen einzuladen. Süß und saisonal, aber auch mit tieferem Sinn: Eine Woche vor der Bundestagswahl war der Ernst der politischen Lage spürbar präsent, ohne dass Ulrike Schrader in der Einleitung zu konkret werden musste.

Mit Dr. Ewald Grothe, hiesiger Geschichtsdozent und Leiter des Gummersbacher Liberalismus-Archivs, gab es dieses Jahr erstmals einen Gastreferenten. Er stellte mangelnden Rückhalt für die Demokratie als Nährboden für das Scheitern der Weimarer Republik heraus — und die Parallelen schienen im Vortragsraum in der Luft zu liegen: Als Grothe von „Parlamentarismuskritik“ in der Frühzeit des damals neuen Systems sprach, war in den gut gefüllten Reihen prompt grimmiges Lachen zu hören. Offensichtlich ging manchem durch den Kopf: Obwohl heute bewährt, stoßen Freiheit und Demokratie auch dieser Tage auf Ignoranz.

Unter den anwesenden Vertretern der Politik war mit Ursula Schulz auch eine amtierende Bürgermeisterin beim Fest. Mit merklichem Herzblut lobte sie mehr noch als die städtische Trägerschaft besonders die inhaltliche Arbeit der Begegnungsstätte: „Ganz pragmatisch und wunderbar.“

Und wie praktisch es zugehen kann, zeigte sich dann beim fruchtigen Anlass des Tages: Kistenweise und nach Sorten geordnet präsentierten sich die Äpfel vorm Eingang. Per Handwaage wurde der Preis ermittelt: Zwei Euro pro Kilo war die Devise, und Renate Thrandorf bewies freundlich den geübten Blick, wenn sich jemand allzu zurückhaltend bediente: „Nehmen Sie noch drei dazu! Dann ist es ein Kilo.“ Anhand kleiner Schnitze auf Tellerchen konnten Gourmets jede Sorte vorprobieren, um dann kundig zuzugreifen: Unter den roten zeigten sich die „Gloster“ zwar tiefgefärbt, geschmacklich aber schwächer - Exemplare von „James Grieve“ dagegen äußerlich blasser, dafür aber sehr aromatisch.

Als durchaus feierliches Ereignis gehörten zum Begleitprogramm auch Cidre sowie feines Fingerfood — gecatert, aber mit dem passenden Frucht-Schwerpunkt (darunter Apfeltarte und lecker gefüllte Zucchinischiffchen). Ein besonderer Apfelkuchen indes war original mit Fallobst vor Ort bestückt — dem Vernehmen nach von Ulrike Schraders Mutter.

Sicher hat das Apfelfest längst seine Fans, auch ohne religiösen Bezug und auch ohne unbedingt den genauen Beginn beziffern zu können. Was Freunden der Begegnungsstätte selbstverständlich sein mag, darf sonst ja durchaus immer wieder erklärt werden: Die heutige Einrichtung in Elberfeld ist kein Gotteshaus.

Gelegenheiten wie das Apfelfest stehen doch gerade für den Aufbau von Verbundenheit auf anderem Weg. Besucherin Kathrein Bönsch erzählte mit starken Worten von ihrer Tochter und anderen, für die nach Praktikum oder sonstigen Frühkontakten der Bezug zur Begegnungsstätte dauerhaft bleibe: „Was hier gesät wird, wird so zum schönen Baum.“ Das meinte auch übertragen ein so gepflanztes Demokratiebewusstsein, hatte indes gerade beim Apfelfest einen fühl-, ja schmeckbaren Aspekt. Denn wer hier jeden Herbst seinen Beutel mit saftigem Inhalt nach Hause trägt, der weiß wahrscheinlich auch, dass politisch viel auf dem Spiel steht.