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Café Stilbruch droht das Aus - Livemusik war Nachbarn zu laut

Café Stilbruch droht das Aus - Livemusik war Nachbarn zu laut

Ölberg-Kneipe darf keine Livemusik mehr bieten. Nachbarn haben sich beschwert.

Nordstadt. Ihr ganzes Herzblut steckt im Stil-Bruch, einer Kneipe auf dem Ölberg. Sieben Tage die Woche sind sie da und das seit eineinhalb Jahren. „Wir kennen hier alle persönlich, man duzt sich“, erzählt Heval Demir. Zusammen mit seinem Bruder Baran und Vater Mustafa betreibt er seit November 2011 die Kneipe an der Marienstraße 58, Ecke Wirkerstraße am Otto-Böhne-Platz. Sie wollen ein Treffpunkt für die Menschen vom Ölberg sein, international und kulturenübergreifend, wie Vater Mustafa immer wieder betont.

Seit dem vergangenen Montag aber ist das Stil-Bruch ernsthaft bedroht, denn es fehlt die notwendige Betriebserlaubnis, weiter Livemusik anbieten zu dürfen. Nachdem sich Nachbarn wegen Ruhestörung beim Ordnungsamt beschwert hatten, war dieses tätig geworden und hatte am Montagmorgen den Betreibern mitgeteilt, dass alle geplanten Konzerte abgesagt werden mussten.

Wie Carsten Vorsich vom Ordnungsamt mitteilt, bedauert man, dass damit die Existenz der Kneipe auf dem Spiel stehe, sei aber auch an Vorschriften gebunden und müsse darauf bestehen, dass die Voraussetzungen für Livemusik gegeben sein. Dazu gehören unter anderem die notwendige Betriebserlaubnis und eine ausreichende Schallisolierung. Im Klartext heißt das für die Kneipe: Sie müssen ein teures Schallgutachten erstellen lassen und das Lokal umbauen — das finanzielle Aus für das Stil-Bruch.

„Mit all den Konzerten in den nächsten zwei Monaten dachten wir, wir hätten es geschafft. Jetzt müssen wir aber neue Ideen finden, wenn es weitergehen soll“, erzählt Baran. Auch in sozialen Netzwerken ist das Entsetzen groß — gemeinsam mit befreundeten Musikern wird nach Lösungen gesucht, damit das Stil-Bruch vor allem auch als sozialer Treffpunkt weiter existieren kann. Denn, so erzählen die drei, sie betreiben die Kneipe nicht, um Profit zu machen.

„Die Arbeit macht uns einfach Spaß“, erzählt Baran. „Wir haben uns nicht ein einziges Mal in den 18 Monaten Gehalt gezahlt. Einer von uns geht zusätzlich arbeiten. Das Trinkgeld geht in die Spendenbüchse für das Kindertal“, ergänzt Heval. Soziales tun und Miteinander wird bei den Brüdern groß geschrieben.

Einmal im Monat bieten sie deshalb zusammen mit dem Verein Nordlicht ein gemeinsames Mittagessen für die Nachbarschaft an. Wer Geld hat, spendet dafür, was er kann; alle anderen essen kostenlos. Wie es jetzt weiter gehen soll ist unklar.

Im Moment verhandeln die Brüder mit Brauereien als möglichen Sponsoren — auch wenn sie lieber unabhängig bleiben würden. Auch eine Ratenzahlung für das Gutachten und die Umbaumaßnahmen könnten sie sich vorstellen.