Braubach & Plitt: Eine verschworene Mitarbeiter-Gemeinschaft

Braubach & Plitt: Eine verschworene Mitarbeiter-Gemeinschaft

Die Ehemaligen der Firma Braubach und Plitt treffen sich nach über 30 Jahren noch immer.

Elberfeld. Eine lange Hose durfte sie in der Firma nicht tragen, gegen Lippenstift und Pfennigabsätze hatte aber niemand etwas einzuwenden. Vor fast 40 Jahren war in den Betrieben die Kleiderordnung eine ganz anderer als heutzutage. Brigitte Dahlemann (59) erinnert sich. Sie war in der Personalabteilung der Textilfirma Braubach & Plitt GmbH an der Hofaue 64 in der Personalabteilung tätig. "Wir trugen im Winter in der Kälte zwar lange Hosen, doch zogen wir uns in der Hofaue gleich unsere Röcke an. Lange Hosen für Frauen, das war bei uns lange verpönt", sagt sie.

Wen interessieren die alten Geschichten noch? 30 Mitarbeiter der Belegschaft von Braubach & Plitt treffen sich regelmäßig alle sechs Wochen, um die alten Geschichten aufleben zu lassen. Nicht alle leben noch in Wuppertal, kommen auch von weiter her zum Treffen. Die Ältesten sind über 80, die jüngsten um die 60 Jahre alt. Alle sind in Pension. "Wir haben schöne Zeiten erlebt", sagen sie übereinstimmend, "so etwas gibt es heute nicht mehr. Wir sind gerne zur Arbeit gegangen, Mobbing kannten wir nicht." Hofaue 64, im Eckhaus, wo jetzt die Arkaden stehen, arbeiteten etwa 220Mitarbeiter. Das Textilunternehmen hatte ein umfangreiches Sortiment, das von Miederwaren bis zur Berufsbekleidung reichte, Kostüme, Bettwaren, ja, auch eine kleine Süßwarenabteilung gab es.

Lotte Ley (80) saß damals an der Telefonzentrale, sie war der gute Geist der Firma, der auch die früher nicht gern gesehenen Privatgespräche weiter vermittelte und oft als Kummerkasten herhalten musste. "Liebeskummer hatten die Leute oder fühlten sich bei Gehaltserhöhungen übergangen", erzählt sie. Sie habe trösten können.

Die Firma Braubach & Plitt, 1794 gegründet, zog Anfang der 30er Jahre nach Wuppertal, erlebte dort gute Zeiten. 220 Mann war die Belegschaft stark. 1969 wurde das 175-jährige Bestehen noch mit Tanz und Trubel im Wuppertaler Hof gefeiert, doch 1974 fusionierte die Firma mit Cordes. Der Textilgroßhandel nannte sich nun Cordes, Braubach & Plitt. Allerdings wurde der Firmensitz nach Hagen-Bathey verlegt. "Wir haben Fahrgemeinschaften nach Hagen gegründet, meine Kollegen und ich fuhren mit einem weißen Peugeot 504, der jetzt 40 Jahre alt wird, zur Arbeit", so Brigitte Dahlemann.

200 Mitarbeiter zogen mit nach Hagen, doch die verschworene Wuppertaler Gemeinschaft wurde es nie. "Wir erzählen nur über die alten Zeiten an der Hofaue und Scherze wie dieser machen immer noch die Runde. "Mich haben die Kollegen öfter auf die Leiter geschickt, um im oberen Regal den Staub von den Rheumalind-Decken abzuwedeln", erzählt Dekorateur Hans Osterberg (62). "Der Staub fiel dabei genau auf die schwarzen Kostüme. Die zuständige Kollegin aus der Damenabteilung war völlig entsetzt", erzählt Hans Osterberg von den unvergessenen Zeiten. Die Firma in Hagen gibt es dagegen nicht mehr.

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