Koch-Kurse in der Nordstadt: Auch „Unkraut“ kann gekocht werden

Koch-Kurse in der Nordstadt : Auch „Unkraut“ kann gekocht werden

Ernährungswissenschaftlerin gibt Koch-Kurse in der Diakoniekirche. Teilnehmer loben die Vielzahl der Anregungen.

Nordstadt. „Kapuzinerkresse hat viel Vitamin C und wirkt als pflanzliches Antibiotikum“, erklärt Daniela Raimund. Wie praktisch, dass rund um die Diakoniekirche in der Nordstadt reichlich rot leuchtende Kapuzinerkresse wächst. Etwa einmal im Monat bietet die Ökotrophologin dort einen offenen Koch-Abend an. Ihr Schwerpunkt: Gekocht wird alles, was rund um die Kirche wächst. „Leider haben einige Gärtner gerade alles entfernt, was sie für Unkraut hielten - damit kochen wir eigentlich besonders gerne“, bedauert Daniela Raimund.

So musste sie diesmal Brennnesseln von zu Hause mitbringen. Im Inselgarten neben der Kirche haben fleißige Anwohner lauter kleine Hochbeete sowie eine große Kräuterspirale angelegt. Ziel ist es, zu zeigen, dass selbst auf einem Quadratmeter Fläche viel gesundes und leckes Gemüse und Kräuter gezogen werden können. In Quadraten gedeihen Tomaten, Salat, Kohlrabi und Zwiebeln. Eifrig bücken sich die Kursteilnehmer, um große Blätter der Kresse und einige Blüten zu ernten. „Schaut vorher nach, damit keine Blattläuse dran sind“, empfiehlt die Kursleiterin. Eine andere Gruppe pflückt Thymian, Rosmarin und Minze für den Kräuterlikör.

Dann geht es in die Diakoniekirche, die als Treffpunkt des Viertels dient. Große Tische, eine offene Küche und ein zusätzliches Händewaschbecken machen sie zum perfekten Ort für Kochkurse.

Schnell finden sich Gruppen zusammen, um die verschiedenen Gerichte zu kochen. Ein Knusper-Knäckefladen mit Brennnesselsamen-Butter, gefüllte Kapuzinerkresse-Röllchen, ein Birnen-Pflaumen-Chutney, Pflaumen-Crumble und Kräuterlikör sollen heute hergestellt werden.

„Wo finde ich einen Messbecher?“, „Wer hat die Waage?“, „Weiß jemand, wo eine Schere ist?“, schallt es durch den Raum. Hier werden Birnen klein geschnibbelt, dort mit Handschuhen Brennnesselsamen abgetrennt. „Es ist spannend, dass man sich an den Samen auch verbrennen kann“, findet Claudia. Doch sobald diese in der Pfanne geröstet sind, ist die Gefahr gebannt.

Ulrike bereitet währenddessen die Füllung aus Reis und Hackfleisch für die Kresse-Blätter vor. „Wir könnten auch ein paar vegetarische machen“, schlägt sie angesichts der Menge an gepflückten Blättern vor. Sorgsam schlägt sie mit ihrem Partner die Blätter um die Füllung und schichtet alles in eine Kuchenform. „Ich finde es toll, mit so vielen Leuten zusammen zu kochen - und man bekommt so viele Anregungen“, lobt sie.

„Legt das Hackfleisch nicht auf das Holzbrett - das ist unhygienisch!“, rät derweil Daniela Raimund. Bald wird es eng im Ofen angesichts der vielen Köstlichkeiten. Die ersten spülen schon ihr Kochgeschirr ab, während es zu duften beginnt. Andere halten ein Pläuschchen oder trinken ein Glas Feigen-Basilikum-Wasser. Und schließlich setzen sich alle gemeinsam an den Tisch und kosten die vielen Kreationen. „Lecker“, sind sich alle einig. Wer ein Schraubglas mitgebracht hat, kann anschließend Chutney oder Kräuterlikör nach Hause mitnehmen.

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