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Wuppertal: Anwohner sorgen sich um das Briller Viertel

Wuppertal : Anwohner sorgen sich um das Briller Viertel

Bei einem Rundgang mit der FDP äußerten die Teilnehmer Bedenken in Bezug auf Neubauten.

Briller Viertel. „Risiko der Nachverdichtung“ hieß das Motto einer Ortsbegehung durch das Briller Viertel, zu dem die FDP-Fraktion interessierte Bürger eingeladen hatte. Alexander Schmidt, der Fraktionsvorsitzende, freute sich, rund 30 Gäste begrüßen zu können und stellte als fachkundige „Wanderführer“ die beiden BDA-Architekten Markus Rathke und Alexander Rocho vor.

„Nachverdichtung“, das ist einmal das Schließen von Baulücken, aber auch der teilweise Grundstücksverkauf zum Zweck der Errichtung von Eigenheimen oder kaum erwünschter „Mietskasernen“. „Es muss unser Ziel sein, den Charakter eines der größten Villenviertel in Europa so weit wie möglich zu erhalten“, waren sich Architekten und anwesende Bürger einig. Ein Anwohner schlug vor, doch einfach das gesamte Viertel unter Denkmalschutz zu stellen.

Dass das nicht passiere, liege seiner Meinung nach an folgendem Grund: „Da gibt es nämlich persönliche finanzielle Interessen der Grundstückseigentümer, die das verhindern.“ Die erläuterte Alexander Schmidt nachvollziehbar: „Viele Eigentümer der hiesigen Villen und großen Grundstücke sind kaum noch in der Lage, ihre Areale zu erhalten und sehen sich deshalb gezwungen, Teile ihres Grundstücks zu verkaufen.“

„Mit diesen Sachzwängen verantwortungsvoll umzugehen, ist dann die Aufgabe der Eigentümer in Zusammenarbeit mit den beauftragten Architekten“, so die beiden Experten Rathke und Racho.

Es gab durchaus geteilte Meinungen zu einzelnen Neubauten. So sagt Rathke über ein Gebäude, dass es „trotz großer Glasanteile und Staffelgeschosse grauenhaft“ sei, das von anderen Teilnehmern durchaus positiv bewertet wurde.

Das Gebäude gegenüber der mit Holzfassade und einer ungewöhnlichen Skulptur über dem Treppenaufgang verzierten Galerie Droste fand dagegen wenig Anklang — auch wegen des zu geringen Abstands zu den Nebengebäuden.

Einhellige Zustimmung fand das Haus der Niederländisch-reformierten Gemeinde. „Wir hätten noch ein Stockwerk höher bauen und damit erheblich mehr Mieterlöse erzielen können, doch das haben wir nicht gemacht, weil wir uns städtebaulicher Verantwortung verpflichtet fühlen“, erklärte ein Vertreter der Gemeinde, die mit dem schräg zur Straße errichteten Gebäude nicht nur einen weiten Blick auf den Gemeindefriedhof, sondern auch zu den Südhöhen auf die Bergische Universität ermöglichen. Die Südrichtung hat zudem energetische Gründe, wird doch die Sonnenenergie in geradezu idealer Weise genutzt.

Zwei Stunden waren die Gäste der FDP unterwegs und waren sich einig, dass bei Neubauten Verantwortungsgefühl und Respekt vor dem einzigartigen Briller Viertel Vorzug vor finanziellen Interessen haben sollten. „Leider gibt es hier nur alte oder gar keine Bauleitpläne“, bedauerte Alexander Schmidt im Anschluss.