40 Jahre an der Orgel: „In Dönberg singen immer alle kräftig mit“

40 Jahre an der Orgel: „In Dönberg singen immer alle kräftig mit“

Der gebürtige Frankfurter Armin Nitsche ist seit 40 Jahren Organist der Evangelischen Kirche Dönberg.

Dönberg. Frühjahr 1971, Evangelische Kirche Dönberg: Armin Nitsche muss sich gedulden und ist ein bisschen nervös. „Wie war ich?“, fragt er sich. Pfarrer Rolf Müller und der Ausschuss des Presbyteriums haben sich zur Beratung zurückgezogen. Es gilt, die Stelle des Organisten zu besetzen. Nitsche hat vorgespielt. Unter anderem aus dem „Orgelbüchlein“ von Johann Sebastian Bach, wie er sich heute erinnert. Jetzt wartet er. Endlich, nach quälend langen 30 Minuten, kommt Pfarrer Müller zurück — mit der erlösenden Nachricht. „Wir wollen es mit Ihnen versuchen.“

40 Jahre ist das jetzt her, Nitsche feiert sein kleines Jubiläum. In der Gemeinde spielte und spielt Musik eine große Rolle. Da gibt es den Posaunen-, den Kirchenchor, den Flötenkreis und, nachdem man 2000 auch noch eine Kantorenstelle eingerichtet hat, die Kinderchöre, den Jugend- und den Gospelchor. Zurzeit arbeiten die Kantorin und Organist Nitsche, was das Orgelspiel im Gottesdienst betrifft, im monatlichen Wechsel. „In Dönberg singen immer alle kräftig mit“, sagt der 74-Jährige stolz.

Geboren in Frankfurt am Main, kam Armin Nitsche 1965 nach Wuppertal, zusammen mit seiner Frau Rosemarie. Als Industriekaufmann hatte er eine Stelle bei den Vereinigten Glanzstoff-Fabriken angetreten. Schon mit acht Jahren nahm er bei seinem Onkel die ersten Klavierstunden. Später hatte er das Konservatorium in Frankfurt besucht.

Seine Eltern waren überzeugte Protestanten, der Vater gehörte dem Kirchenvorstand in Frankfurt an. Gelegentlich spielte Sohn Armin damals bereits im Gottesdienst die Orgel. Er büffelte Theorie, absolvierte Übungsstunde um Übungsstunde und legte 1969 in Düsseldorf an der Landeskirchen-Musikschule die Prüfung zum Organisten ab. Dann hörte er vom Leiter des Dönberger Kirchenchores, dass man dort einen Organisten sucht. Er bewarb sich. Bis 1994 war Nitsche beides: wochentags Industriekaufmann, am Samstag und Sonntag Organist. „Ich habe das nicht als Belastung empfunden“, sagt er, „im Gegenteil. Es war eine Bereicherung.“ Der Industriekaufmann geht in Pension, der Organist macht weiter. 1992 tritt Pfarrer Eckehard Fröhmelt die Nachfolge von Rolf Müller an. Und weiterhin gilt es für den Organisten, die Register zu ziehen. Im Solo bei Orgelvorspiel, Orgelzwischenspiel und Orgelnachspiel oder beim Begleiten der Gemeinde. Und wenn der Organist bei der Vorbereitung des Gottesdienstes einen Wunsch hat, dann, so Nitsche, ist das auch kein Problem.

Mehr von Westdeutsche Zeitung