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143.000 Euro für das vergessene Wäldchen an der Wupper

143.000 Euro für das vergessene Wäldchen an der Wupper

Warum die Stadt eine nahezu unbenutzte Fläche aufhübscht.

Elberfeld / Unterbarmen. Es ist selten geworden, dass Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU) mit der Bewilligung sechsstelliger Euro-Beträge einverstanden ist. Doch es gibt Ausnahmen. Eine solche ist die 1150 Quadratmeter große Grünfläche samt Gehweg gleich gegenüber dem südlichsten Zipfel der Gerichtsinsel. Dieser Flecken Wuppertaler Erde soll bis Ende 2010 aufgehübscht werden. Kostenpunkt: 143.000 Euro.

Wer angesichts solcher Investitionen in Zeiten des Spardiktats um die Konsolidierung der städtischen Finanzen fürchtet, darf sich ansatzweise beruhigen. Das Gros der Finanzierung - 114.400 Euro fließt aus dem Landesprogramm "Stadtumbau West" an die Wupper. Den Rest kann die Stadt offenbar aus städtebaulichen Mitteln stemmen. "Geschenktes" Geld ablehnen? Auf keinen Fall, entschied die Stadtspitze. Und so bemüht man sich nach Kräften, den Sinn und Zweck des Projektes anzupreisen. Unter anderem ist an der Gerichtsinsel die Anlage eines behindertengerechten Wupperbalkons geplant, der an die Wuppermauer herangerückt werden soll.

"Somit werden zukünftig interessante Aussichten auf die Stelle ermöglicht, an der die beiden Arme der Wupper wieder zusammenfließen", heißt es in der entsprechenden Drucksache, die heute der Bezirksvertretung Elberfeld zur Abstimmung vorliegt.

Dass dafür 14 alte und kranke Bäume gefällt werden, bringt laut Plan eigentlich nur Vorteile mit sich. Etwa die Hälfte stehe auf der Ufermauer und beeinträchtige somit deren Standfestigkeit, hat ein Gutachter festgestellt. Es wird noch besser: "Das Gesicht der Grünanlage soll insgesamt heller und freundlicher werden", verspricht die Drucksache.

Klingt annähernd romantisch. Leider ist die Planer-Prosa mit der Realität an der Südspitze der Gerichtsinsel kaum vereinbar. Bislang wurde das Wäldchen samt seiner maroden Bänke höchstens von Männern mit einschlägig gefüllten Plastiktüten benutzt. Doch nicht einmal als Trinker-Treff ist der Fleck wirklich beliebt. Wer überhaupt dort vorbeikommt, will einfach nur schnell woanders hin. Entweder zum Gerichtstermin oder in Richtung Kluse (Cinemaxx und (noch) Schauspielhaus). Zu laut ist es direkt an der dort vierspurig tagtäglich vorbeidonnernden B7.

Im Norden der Gerichtsinsel sieht’s übrigens ganz anders aus: Auch dort wurde im Bereich der kaufmännischen Schulen, das Wupperufer frischgemacht. Auch dort gibt es schicke Balkone. Die Stadtplaner jubeln entsprechend über den so entstandenen "Schoolwalk". Zurecht: Was sexy klingt, wird täglich benutzt.

Dennoch will sich die Verwaltung die Freude am Projekt im Süden nicht verderben lassen. Damit werde das Gesamtbild an der Gerichtsinsel auch von der Schwebebahn aus abgerundet. Und: Der balkonbewehrte Wupperzusammenfluss werde bestimmt mal eines der beliebtesten Bildhintergründe Wuppertals werden. Könnte sein.