Zum Augenarzt nach Solingen

Bürger vermissen seit 2013 einen Facharzt. Das bleibt vorerst so: Offiziell gilt die Versorgung im Stadtgebiet als sichergestellt.

Cronenberg. Wer in Cronenberg wohnt und zum Augenarzt muss, dem kann man nur zwei Dinge wünschen: Dass er mobil und kein Notfall ist. Denn seit 2013 gibt es keinen Augenarzt mehr im Stadtteil. Beim jüngsten WZ-Leserstammtisch war die ärztliche Versorgung ein großes Thema: Nur ein Kinderarzt, kein Augenarzt, vier Monate Warten auf einen Termin beim Hautarzt und ebenfalls langes Warten bei Allgemeinmedizinern — so berichteten Leser wie Hanne vom Scheidt. Auch ein WZ-Test zeigt: Der nächste Termin beim Hautarzt wäre Ende Juli möglich, für den Endokrinologen muss man bis August warten.

Im September 2013 wurde die Augenarztpraxis an der Berghauser Straße geschlossen. Sie war die Niederlassung einer Düsseldorfer Praxis — nach dem Ausscheiden des angestellten Cronenberger Arztes war kein Nachfolger gefunden worden.

„Wer mobil ist, fährt nach Solingen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé (SPD). Ansonsten bleiben Augenärzte in Ronsdorf, Elberfeld und Vohwinkel. „In Elberfeld gibt es fünf Augenärzte auf einem Fleck und hier keinen“, kritisiert Abé. Besonders ältere Menschen sprächen sie oft darauf an. „Vorerst werden wir das so hinnehmen müssen“, sagt sie. „Wie die Kassenärztliche Vereinigung die Zulassungen an Ärzte vergibt, ist für den Normalbürger nicht nachvollziehbar — und auch nicht für die Bezirksvertretung.“

„Ein Riesenproblem“ nennt auch der stellvertretende Bürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky (CDU) die Situation. „Die allgemeine und fachärztliche Versorgung ist gesichert, nur einen Augenarzt haben wir nicht.“ Der sei aber besonders wichtig, da in den metallverarbeitenden Unternehmen in Cronenberg immer wieder Augenverletzungen vorkommen.

„Die entscheidende Größe ist die Bedarfsplanung“, erklärt Christoph Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. „Sie regelt seit 1993, wie viele Ärzte sich in jedem Planungsbereich niederlassen dürfen. Bei der allgemeinen fachärztlichen Versorgung — wie Augenärzte, Orthopäden und HNO — ist Wuppertal gesperrt. Es können sich keine weiteren Fachärzte niederlassen.“

Ein ähnliches Problem hatte es mit der kinderärztlichen Versorgung im Stadtteil gegeben: „Das haben wir aber hinbekommen“, sagt von Wenczowsky: 2012 verlegte ein Kinderarzt seine Praxis von Elberfeld nach Cronenberg.