Wuppertaler Friseur erhält diamantenen Meisterbrief

Jubiläum : „Haare schneiden ist für uns eine Herzensangelegenheit“

Werner Droppmann führt seit 30 Jahren einen Salon in Cronenberg. Seinen Meisterbrief hat er bereits seit 60 Jahren.

. Gleich drei Jubiläen für den Salon „Coiffeur Droppmann“ und eine Premiere gab es in Cronenberg an der Hauptstraße 42 zu feiern: Werner Droppmann (81) ist seit 60 Jahren Friseurmeister, seit 50 Jahren selbstständig, und sein Salon ist seit 30 Jahren im „Dorp“ ansässig. Die Premiere erlebte Friseurobermeisterin Carmen Langowski, die als Vertreterin der Innung erstmals in ihrer mehr als anderthalb Jahrzehnte währenden Dienstzeit einen „Diamantenen Meisterbrief“ überreichen konnte. „Den haben wir in Berlin angefordert“, erklärte Carmen Langowski, „Werner Droppmann stammt ja aus Berlin und hat dort auch zuerst gearbeitet.“

Die Droppmanns schauen nämlich auf eine rund 130-jährige Familien-Tradition als „Figaros“ zurück. „Friseure sind wir schon in der fünften Generation“, sagt Werner Droppmanns Tochter, Friseurmeisterin Wencke stolz. Sie führt den Salon an der Hauptstraße seit 15 Jahren und war vorher zehn Jahre an der Seite ihres Vaters im Dienste der Frisierkunst tätig. Wie diese aussehen kann, zeigte Werner Droppmann auf Fotos bei Meisterschaften auf regionaler und sogar internationaler Ebene, wo auf den Köpfen eleganter Damen höchst abenteuerliche Kreationen entstanden sind. „Das muss man sehen wie beim Eiskunstlaufen. Das ist die Kür, während bei der täglichen Arbeit die Pflicht verlangt wird.“

Werner Droppmann ist noch immer am Tagesgeschäft beteiligt

Die Droppmanns und ihre Haarkünstlerinnen und –künstler, allen voran Werner Droppmann, haben bei den Wettbewerben reichlich Preise geholt und sich im „Dorp“ auch den Ruf exzellenter Handwerker erarbeitet. Der blendend aufgelegte Werner Droppmann (81) macht zwar den Eindruck, als verbringe er nach seinem Rückzug vom Tagesgeschäft am Frisierstuhl vor 15 Jahren täglich mindestens vier Stunden auf dem Golfplatz. In Wirklichkeit ist er aber noch regelmäßig im Salon. Seine Tätigkeit: „Alles außer Frisieren und Haareschneiden.“ „Papa macht die Buchhaltung, Büroarbeiten und geht zur Bank“, verrät seine Tochter und fügt hinzu: „Da ist er immer noch unersetzlich.“

Werner Droppmann kam 1958, noch vor dem Mauerbau, aus Ostberlin nach Wuppertal, zusammen mit seinem beiden Brüdern, die auch Friseure waren. „Alle unsere Verwandten sind im Friseurhandwerk tätig“, erzählt Wencke, deren Schwester den damaligen Salon in Barmen geführt hat, dann aber – der Liebe wegen – nach Ostfriesland gezogen ist und dort die Köpfe der Anwohner verschönt.

An der Hauptstraße 42 werden übrigens Damen und Herren von der insgesamt siebenköpfigen Belegschaft bedient. „Außer mir sind noch drei Friseurinnen und drei Azubis hier tätig. Im Moment sind wir ausschließlich Frauen.“

Kein anderer Frisier-Salon führt die Bezeichnung „Coiffeur“. Wie ist es dazugekommen? „So nannten wir uns schon damals in Berlin. Vielleicht, weil das mit den gehobenen Ansprüchen zusammenhängt, die unsere Kundschaft stellt, die wir aber auch an uns selbst haben“, ist die Begründung für die außergewöhnliche Titulierung.

„Haareschneiden und Frisieren ist für uns Droppmanns Herzenssache“, sagt Wencke aus voller Überzeugung und blickt ein wenig auf die Handwerksgeschichte in den vergangenen Jahrzehnten zurück. „Es wird bei weitem nicht mehr so viel Chemie verwendet wie früher. Heute sind die Mittel viel milder und schonender. Der Trend geht zu pflanzlichen Farben, und die Tönungen sind bei weitem nicht mehr so aggressiv“, erklärt sie. „Und die Damen folgen nicht mehr nur einem Modediktat, sondern gestalten ihre Frisuren lieber selber.“

Dass diese eigene Gestaltung manchmal auch recht kuriose Blüten treiben kann, zeigt ein Foto aus früheren Tagen. Da hatte es sich nämlich eine Braut in ihren ansonsten edel frisierten Kopf gesetzt, ihre voluminöse Frisur durch 50 Glasröhrchen zu bereichern, in denen jeweils eine bunte Orchideenblüte steckte. Das sah dann auf den ersten Blick so aus, als wäre sie mit Lockenwicklern zum Altar geschritten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung