Wanderer wünschen sich Gedenktafel

72 Jahre nach der Erschießung von dreißig Zwangsarbeitern im Burgholz gibt es noch immer keine Einigkeit über das angemessene Erinnern.

Cronenberg. Der Bus hält, Menschen strömen ins Freie. „Es ist genau 14.30 Uhr. Lasst uns losgehen“, sagt Historiker Stephan Stracke. Pünktlich zum Startsignal bricht die Sonne durch die Wolken. Das Wetter spielt an diesem Samstagnachmittag mit, als es zusammen mit dem Mitglied des Vereins zur Erforschung der sozialen Bewegungen in Wuppertal durch das Burgholz geht. Und trotzdem ist die Stimmung getrübt. Der Grund: Noch immer lässt der Gedenkort des sogenannten „Burgholz-Massakers“ auf sich warten. Und auch in puncto Gedenktafel gebe es aktuell kein Vorankommen. „Wir wandern, weil wir uns natürlich schon ein bisschen wundern“, betont Stephan Stracke. Zum dritten Mal führte er zusammen mit Lieselotte Bhatia vom Verein Spurensuche NS-Geschichte in Wuppertal zum Tatort.

Es ist der 72. Jahrestag des Burgholz-Massakers, bei dem in der Endphase des Zweiten Weltkriegs auf dem damaligen Polizei-Schießstand im Burgholz 30 sowjetische Zwangsarbeiter durch Kripo und Gestapo ermordet wurden — nur wenige Wochen vor der Befreiung Wuppertals durch amerikanische Truppen.

Die Erschossenen wurden zunächst in einem Massengrab im Wald verscharrt. Im September 1945 wurden die 30 Leichen dann exhumiert. In einem Leichenzug wurden die Ermordeten nach Cronenberg gebracht, wo sie auf dem Friedhof an der Schorfer Straße bestattet wurden — heute ist dort eine Gedenkstätte.

Auf dem Weg zum Tatort bleibt Stephan Stracke immer wieder stehen: „Zählen Sie doch mal zum Spaß, wie viele Schilder hier aufgestellt sind.“ Die rund 50 Exkursionsteilnehmer schmunzeln. Obwohl erst im Februar der Leiter des Historischen Zentrums, Eberhard Illner, einen Text für die Gedenktafel vorgestellt und damit einen ersten konkreten Schritt getan hatte (WZ berichtete), scheint aktuell immer noch keine Lösung in Sicht.

Stephan Stracke: „Der Vorschlag enthielt Fehler, die wir nachweisen konnten und war außerdem zu nüchtern. Wir wünschen uns einen Text, der die neueren Forschungsergebnisse sauber aufgreift und darüber hinaus Erinnerungscharakter hat.“

Gleichzeitig solle die Gedenktafel Hinweise auf die gefundenen Gruben in der Nähe des Massengrabs enthalten sowie auf Aspekte der Verbrechensgeschichte hindeuten. „Zuletzt hieß es von der Landschaftsbehörde, dass in einem Naturschutzgebiet keine Schilder aufgestellt werden dürfen“, so Stephan Stracke.

Damit sei ein weiterer Stein auf den Weg hin zur Gedenktafel gelegt worden. „Dabei könnte man über ökologische Varianten diskutieren. Wir wünschen uns ja kein Bauwerk, sondern eine Tafel im A1-Format.“

Am Tatort im Wald angekommen, übernimmt dann Lieselotte Bhatia das Wort, die mit den Teilnehmern der Wanderung durch die Zeit reist und an das Verbrechen erinnert.

Unter den Zuhörern sind Ina Geisel (16) und Clara Nowakowski (17). „Ich finde es wichtig, dass man sich informiert, weil das so schlimm ist, was da passiert ist“, betont die 16-jährige Ina. „Viele wissen gar nicht darüber Bescheid, obwohl sie hier täglich joggen oder spazieren gehen.“

Lieselotte Bhathia, die die Tochter eines damaligen Täters ist, hob hervor: „Ich stehe jetzt im 17. Jahr hier und habe nur den Wunsch, dass endlich ein vernünftiger Gedenkort geschaffen wird. Da ist ganz Wuppertal in der Pflicht.“