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Seit 25 Jahren erinnert das Museum an die große Zeit der Bandweberei

Seit 25 Jahren erinnert das Museum an die große Zeit der Bandweberei

Das Museum gibt einen Einblick in die Hochzeit der Textilindustrie.

Küllenhahn. Einzigartig, nicht nur in seinem Aufbau, sondern auch als in eine Schule integriertes Industriedenkmal, präsentiert sich das Bandwebermuseum in der Friedrich-Bayer-Realschule als wahres Kleinod der Wuppertaler Geschichte. Auf rund 120 Quadratmetern beherbergt das Museum bereits seit 1989 vier unterschiedliche Web-stühle mit zahlreichen liebevoll zusammen gestellten Accessoires des Lebens vor 100 Jahren.

Dass Wuppertal eine Hochburg der Textilindustrie war, belegt der Umstand, dass um 1860 rund 72 Prozent der arbeitenden Bevölkerung von Barmen und Elberfeld in der Textilindustrie beschäftigt waren. Heute sind es knapp vier Prozent.

„Das Wichtigste ist, dass bei uns alle Maschinen laufen und ausprobiert werden können. Kinder und Erwachsene nehmen daher bei unseren Führungen zahlreiche Eindrücke und Informationen mit“, freuen sich die beiden ehemaligen Lehrerinnen Irmlind Pesch und Margarete Kaiser, die im Laufe eines Jahres rund 1000 Besuchern mit Wissenswertem und kleinen Anekdoten einen Einblick in die Geschichte der Wuppertaler Bandweber geben.

Kernstück der Ausstellung ist der über vier Meter breite Schaftbandwebstuhl von 1907, den sich die Wuppertaler Familie Wagner vor mehr als 100 Jahren zum Weihnachtsfest gönnte, wie die beiden „Museumsführerinnen“ berichten. Brustholz, Schäfte und Kettscheiben sowie 18 Gänge sorgen dafür, dass aus einzelnen Fäden Bänder entstehen. Über das Schärrbrett und den Schärrbock werden die Fäden vorsortiert und über die Trommel anschließend auf die Kettscheibe geleitet.

In der aus der Zeit um 1920 nachgestellten gemütlichen Hausbandwebstube mit Kohleofen, Küchenecke, dem typischen Bergisch-Blau-Geschirr und einer Dröppelminna fühlt man sich in eine Zeit zurück versetzt, in der die Familie in der Stube des Hausbandwebers, der im Auftrag eines Fabrikanten produzierte, eifrig mithalf, um die dann fertigen Bandrollen in den Liefersack zu packen. Neben dem mit „Schiffchen“ bestückten Webstuhl beeindruckt der Jacquardwebstuhl mit Harnisch, 30 Gängen und Einzelfadensteuerung.

„Wir haben versucht, dem Museum eine familiäre Note zu geben, was den Besuchern auch sehr gut gefällt“, merkt man Irmhild Pesch und Margarete Kaiser die Begeisterung inmitten der Rollböcke, Transmission-Konstruktionen oder etwa des aus dem Jahr 1992 hergestellten Nadelautomaten an.

„Auf einer Schauwand hinter dem breiten Brustholz werden Breit- und Schmalweberei dokumentiert. Das technische Gewebe, wie etwa schnittfeste Handschuhe, eine zehn Kilogramm schwere Schussweste, Filteranlagen oder Stents für Patienten werden heute von Wuppertaler Textilfirmen hergestellt“, weiß Irmhild Pesch, die das Bandwebermuseum als reale Begegnungsstätte mit traditionellem wie aktuellem Industriezweig versteht. Schulklassen gewinnen dort regelmäßig einen Einblick in die Arbeits- und Wohnsituation eines Hausbandwebers. Dadurch wird das Konzept „handlungsorientiertes Lernen“ vor Ort eindrucksvoll realisiert. „Im nächsten Jahr am 5. April feiern wir unser 25-jähriges Jubiläum, zu dem wir einen Tag der offenen Tür mit einer Sonderausstellung haben werden.“ Langeweile kommt bei den beiden Damen also nicht auf.