Reptilien und ein runder Geburtstag bei der Lebenshilfe

Reptilien und ein runder Geburtstag bei der Lebenshilfe

Beim Sommerfest am Samstag lockten exotische Tiere und viel Chormusik.

Cronenberg. „Guck mal, wie weich die ist!“, ruft Thomas (Name geändert) seinem Betreuer zu. Der zögert kurz, dann nimmt er dem Rufenden ihm — mit zitternden Händen — die Königspython ab. Die Reptilien der Terraristik Reinshagen waren am Samstag einer der Höhepunkte auf dem Sommerfest der Lebenshilfe in Cronenberg.

Einige Meter weiter, im Garten der Werkstatt für Menschen mit Behinderung, wartet schon der nächste Höhepunkt: Stefan Pauls greift zum Mikrofon. „Wir unterbrechen das Programm wegen eines wichtigen Geburtstages“, sagt der Geschäftsführer der Lebenshilfe. Das Geburtstagskind steht da bereits auf der Bühne und hat schon einiges geleistet: Der Chor der Einrichtung feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Da darf natürlich auch ein Geschenk nicht fehlen: Stolz halten die Sänger einen bunten Pizza-Gutschein in die Höhe. „Hullala, Pizza ist wunderbar“, singen sie.

„Der Chor ist ein wichtiges Aushängeschild unserer Einrichtung“, sagt Pauls im Gespräch mit der WZ. Musik breche die Blockade zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sofort auf. „Der Chor ist auch eine Therapie“, ergänzt Chorleiter Darko Slekovec-Mengel. Er leitet die Gärtnerei der Lebenshilfe. Bei der Arbeit hätten seine Leute oft ein Liedchen vor sich hin geträllert, also gründete der ausgebildete Musiker kurzerhand den Chor.

Viele Schlager haben die 20 Sänger im Repertoire: „Die Lieder suchen sie sich selbst aus“, erzählt Slekovec-Mengel. Einmal pro Woche wird dann geübt. Inzwischen reist der kleine Chor durch ganz NRW. Auch in Wuppertal kann man ihn hören: Im Barmer Rathaus singt er alle Jahre wieder Weihnachtslieder.

Während nun der „Junge mit der Mundharmonika“ von Bernd Clüver über die Wiese schallt, holt der fünfjährige Jamie kräftig aus: Mit einem Hammer haut er einen Nagel nach dem anderen ins Nagelbrett. „Wir kommen jedes Jahr zum Sommerfest“, sagt Mutter Diana Hamkens. Ihr sei es wichtig, dass ihre Söhne lernen, dass der Umgang mit behinderten Menschen völlig normal ist.

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