Neues Zeitalter im Umspannwerk

Die WSW erneuern die Schaltanlage an der Cronenberger Straße für 4,5 Millionen Euro.

Küllenhahn. Im Umspannwerk Süd an der Cronenberger Straße brummt es wie im Bienenstock. Im Herzen der Hochspannungsschaltanlage reihen sich Stäbe aneinander, die auf den Laien wie überdimensionale Lockenwickler wirken. Noch darf ihnen niemanden zu Nahe kommen, denn der Strom kann in Form eines Blitzes auf Menschen überspringen. Schon im kommenden Jahr ist der Gang zur Schaltanlage nur noch halb so riskant. Sie wird nach 45 Jahren auf den neusten Stand gebracht. Dann spielt sich der gefährliche Zauber in isolierten Kapseln ab.

Netzbetreiber WSW investiert zusammen mit der Tochter AWG 4,5 Millionen Euro in die neue Schaltanlage. „Wir versorgen hier komplett Cronenberg“, sagt Betriebsführungsleiter Jürgen Wagner. Rund 36 000 Haushalte hängen am Umspannwerk Süd, einem von 13 Standorten im Stadtgebiet.

Die Anlage ist eine Schnittstelle zwischen dem Hochspannungsnetz mit 110 Kilovolt und dem Mittelspannungsnetz (10 kV) der WSW. Teils bekommen Industriekunden in Cronenberg ihren „Saft“ direkt von hier, die meiste Energie gelangt jedoch über weitere Netzstationen in das 1-kV-Netz der Endverbraucher.

„Die merken im Idealfall von der Umstellung gar nichts“, sagt Wagner. Das könnte höchstens der Fall werden, wenn ausgerechnet in der Bauphase ein Störfall im 110-kV-Netz auftritt. Normalerweise ist die Schaltanlage so aufgebaut, dass ein Teil ausfallen kann und der Betrieb über den anderen Teil problemlos weiterläuft — dieses Sicherheitsnetz wird es zeitweise während Ab- und Aufbau nicht mehr geben. Dirk Aschenbrenner von der WSW-Betriebsführung beruhigt: „110-kV-Störungen sind aber sehr selten.“

Sind die Arbeiten abgeschlossen, bringt die neue Schaltanlage eine höhere Verlässlichkeit mit. „Wir kommen mit der alten Anlage an einen Punkt, an dem Ersatzteile knapp werden und das Fachpersonal für Reparaturen teilweise gar nicht mehr da ist“, berichtet Jürgen Wagner.

Im Rahmen des Umbaus entstehen auch neue Kabelverbindungen zum Umspannwerk Ronsdorf und zur AWG. Dazu werden die WSW Tiefbauarbeiten auf der Hahnerberger Straße und im oberen Bereich des Hipkendahl durchführen müssen. Der genaue Zeitplan für diese Arbeiten steht laut Wagner noch nicht fest.

Die neue Schaltanlage soll nicht nur kompakter, sondern auch leiser sein. Rund drei Mal in der Woche wird an der Cronenberger Straße geschaltet. Noch knallt das so laut, dass die Nachbarn es hören. Wagner: „Künftig wird das viel leiser sein.“