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Neues Kolumbarium: Grabstätte ohne mühsame Blumen-Pflege

Neues Kolumbarium: Grabstätte ohne mühsame Blumen-Pflege

Das alte Sezierhaus des Friedhofs wurde in ein Kolumbarium umgewandelt. Dort werden Urnen aufbewahrt.

Cronenberg. Wo vor kurzem noch Bagger parkten, werden jetzt Urnen aufbewahrt. „Endlich können wir das Gebäude wieder angemessen nutzen“, sagt Ingo Schellenberg, Verwaltungsleiter des evangelischen Friedhofsverbandes Wuppertal. Eine gewisse Erleichterung ist hörbar. Die letzten Jahre des alten Sezierhauses auf dem Gelände des Friedhofs an der Solinger Straße in Cronenberg waren in der Tat wenig schmeichelhaft. Heruntergekommen, undicht, als Abstellraum genutzt.

Nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen entwickelte sich die Idee, das denkmalgeschützte Gebäude als Kolumbarium zu nutzen (siehe Kasten). 100.000 Euro hat die Sanierung gekostet. Auf dem Dach befinden sich nun handgemachte Schindeln — dem Denkmalschutz sei Dank. Platz für insgesamt 154 Urnen bietet das Kolumbarium in Cronenberg, das am Samstag offiziell eröffnet wurde. Der Boden des kleinen Gebäudes ist mit Steinplatten ausgelegt, an den Wänden und in einem Pult in der Mitte befinden sich die Urnenkammern. Auf kleinen Messingplatten über den Kammern können die Angehörigen die Namen der Verstorbenen eingravieren lassen.

Die Unterbringung der Urnen in einem eigenen Gebäude ist in Wuppertal und Umgebung einzigartig. „Solch eine Form des Kolumbariums gibt es woanders nicht“, sagt Ingo Schellenberg. Das haben auch viele Wuppertaler mitbekommen, die zur Eröffnung gekommen sind. Es geht um Neugier und die Frage, was nach dem eigenen Tod sein soll.

„Ich finde diesen Ort wirklich ansprechend“, sagt eine 85 Jahre alte Besucherin. „Meine Tochter wohnt in Schweden. Und meinem Sohn will ich nicht zumuten, später mein Grab zu pflegen.“ Sie hat sich schon entschieden, eine der Urnenkammern zu erwerben. Denn das geht wie bei normalen Gräbern nicht nur im Sterbefall, sondern auch zur Vorsorge.

„Mit dem Kolumbarium reagieren wir auf Tendenzen der Friedhofskultur“, bestätigt Ingo Schellenberg. „Die Leute wollen einen ansprechenden Ort der Trauer. Aber sie wollen ihren Angehörigen nicht aufbürden, die jahrelange Pflege der Grabstätte zu übernehmen.“ Hinzu kommt, dass Verwandte oft nicht in derselben Stadt wohnen. Pflegefreie Grabstätten wie die neue in Cronenberg sind die Lösung. „Es gibt bereits jetzt eine rege Nachfrage“, sagt Schellenberg.

Das Kolumbarium hat täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang geöffnet und kann als Teil des Friedhofs von jedem besucht werden. Wer sich für die Urnenkammern interessiert, erhält Informationen beim Friedhofsverwalter Reinhard Biehl unter Telefon 40 95 017.