Nächster Halt: Kohlfurth

Das Frühjahr ist da, die Straßenbahn nimmt ihren Fahrbetrieb wieder auf.

Kohlfurth. In der Ferne ertönt das erste Tuten. Der Boden vibriert leicht, und mit dem nächsten Tuten kommt sie in ihrer vollen Pracht um die Ecke: die Straßenbahn. Aus Wuppertal ist sie eigentlich seit 1987 verschwunden, in Cronenberg allerdings gar nicht mehr wegzudenken.

Begonnen hat alles schon einige Jahre vor der endgültigen Abschaffung der Straßenbahn im Tal, als sich einige Liebhaber zusammenschlossen und den Verein Bergische Museumsbahn e.V. gründeten. Seit über 20 Jahren betreibt der Verein nun die ehemalige Strecke der Nummer 5 als Museumsbahnstrecke und gibt Groß und Klein die Möglichkeit, ein Stückchen Wuppertaler Geschichte zu erfahren. Seit vergangenem Wochenende fährt die bergische Museumsbahn wieder.

Vorsicht bei der Abfahrt am Bahnhof Greuel. Mit zehn Stundenkilometern macht sich die alte Straßenbahn auf den Weg hinunter in die Kohlfurth. Ein Schild erinnert an ihre Zeit als Wuppertaler Verkehrsmittel: „5 Wuppertal Elberfeld — Dönberger Straße“ prangt in großen Buchstaben vorne am Wagen. Mit lautem Quietschen nimmt die Bahn die erste Kurve, taucht ein in die Wälder und Wiesen des Kaltenbachtals. Vor dem Fenster ziehen Bäume vorbei, Wiesen und Teiche. Während der Fahrt bleibt Zeit, das Innere der Bahn genauer zu betrachten. Es riecht nach altem Holz und Leder — ganz so wie früher. An der Decke erinnert ein altes Schild an die drakonischen Strafen von 20 DM für Schwarzfahren.

Nach nur 15 Minuten erreicht die Bahn ihre Endhaltestelle in der Kohlfurth, direkt an der Wagenhalle mit vielen restaurierten und restaurierungsbedürftigen alten Bahnen. Der erste Vorsitzende Michael Schumann ist da, beantwortet Fragen und freut sich am regen Personenverkehr.

Vor vielen Jahren hat ihn die Begeisterung für Natur und Technik zur Museumsbahn gebracht, und stolz präsentiert er die Schätze in der Wagenhalle. „Wir versuchen hier, alles möglichst originalgetreu zu belassen, soweit das eben möglich ist. Es ist immer eine Gradwanderung zwischen Denkmal — und damit Original — und Fahrsicherheit.“

Kurz darauf ertönt ein Tuten, und die nächste Museumsbahn kommt. Es geht den Berg wieder hinauf zum Bahnhof Greuel. Schaffner Rolf Apfel ruft ein lautes „Hier noch jemand zugestiegen?“ in den Wagen und kassiert, ausgerüstet mit traditioneller Uniform und alter Geldkassette. „Es ist schön, die strahlenden Kinderaugen zu sehen, wenn wir wieder mit der Bahn fahren“, schwärmt er.

„Hier kann man noch richtig mit anpacken und bekommt etwas in die Hände“, berichtet er von dem Alltag eines Vereinsmitgliedes. Neben den Fahrten müssen vor allem die Wagen in Stand gehalten und die Strecke von Ästen und Bäumen befreit werden. „Nächster Halt Greuel. Ausstieg in Fahrtrichtung rechts“, ruft er durch den Zug - der Endbahnhof in Cronenberg ist erreicht.

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