Ein erster Schritt zur Gedenktafel

Eberhard Illner stellt Text vor, der an die Erschießung von Zwangsarbeitern im Burgholz erinnert.

Cronenberg. „Der Burgholz-Fall ist ein außergewöhnlicher Fall.“ Zu diesem Fazit kommt Eberhard Illner, Historiker und Leiter des Historischen Zentrums, nach der Erforschung der Akten. In der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Cronenberg stellte er jetzt einen Text für eine Gedenktafel im Burgholz vor.

Damit ist ein erster konkreter Schritt getan, einen Erinnerungsort für das Geschehen zu schaffen. An dem Schießstand im Wald wurden in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs 30 Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion erschossen und verscharrt. Die Täter, Wuppertaler Gestapo- und Kriminalpolizeibeamte, wurden von einem britischen Militärgericht zu Todesstrafe und langer Haft verurteilt, kamen aber nach wenigen Jahren wieder frei.

„Das ist ein außergewöhnlicher Fall, was die Schwere des Geschehens und was die Aufarbeitung angeht“, so Eberhard Illner. Welche Bedeutung die Briten dem Geschehen zumaßen, zeige sich daran, dass sie lange ermittelten und die Taten vor dem Supreme Court in Hamburg verhandelten — und nicht vor näheren Gerichten.

In London hat Wuppertals Stadtarchivar Thorsten Dette die Dokumente dieser Prozesse eingesehen und Kopien mit nach Wuppertal gebracht. Er und Illner haben einen Text für eine Gedenktafel entworfen.

Dass vor Ort an das Geschehen erinnert werden soll, geht auf eine Initiative des Vereins „Spurensuche — NS-Geschichte in Wuppertal“ zurück. Der forscht schon lange über dieses Geschehen und hatte bereits 2014 angeregt, das einzige namentlich bekannte Opfer, die Zwangsarbeiterin Helena Matrosowa, im öffentlichen Raum zu würdigen. Lieselotte Bathia vom Verein Spurensuche regte in der BV an, einen Weg nach ihr zu benennen.

Der direkte Weg dorthin ist aber nur ein Wanderweg, der nicht benannt werden könne, hatte die Landesforstverwaltung erklärt. Bei einem Termin vor Ort entstand die Idee, dort eine Tafel mit Informationen aufzustellen.

Dieser Idee nahm sich auch die städtische Kommission für eine Kultur des Erinnerns an. Eberhard Illner erklärte sich bereit, das Geschehen historisch aufzuarbeiten. Auf Einladung von Bezirksbürgermeisterin Ursula Abé (SPD) stellte er die Ergebnisse in der BV vor.

Er betonte, der Text für die Tafel sei bewusst nüchtern und ohne moralische Wertung gehalten, weil das eindrücklicher sei. Lieselotte Bathia vom Verein Spurensuche hatte in der Sitzung einige Kritikpunkte an Details. In einer schriftlichen Stellungnahme mahnte der Verein außerdem an, es fehle noch die geschichtliche Einordnung.

Die Bezirksvertreter lobten insgesamt die Aufarbeitung. Sie regten an, dass weitergehende Informationen per Internet abrufbar sein sollten - daran sei auch gedacht, versicherte Illner.

Über die endgültige Version des Textes, die Gestaltung der Tafel und wann sie aufgestellt wird, will die Kommission beraten. Eine Finanzierung für die Tafel gibt es noch nicht. Kulturdezernent Matthias Nocke sagt dazu: „Mittel für so einen Gedenkort müssen wir besorgen. Ich bin aber sicher, dass wir eine gute Lösung hinbekommen.“