Edwin Markert sammelt fast alles in seinem Gartenhaus

Edwin Markert sammelt fast alles in seinem Gartenhaus

Der Hahnerberger hat aus der ehemaligen Werkstatt ein kleines privates Museum gemacht.

Hahnerberg. „Ich lebe gern mit Erinnerungen.“ Wer Edwin Markert (80) besucht, sieht überall Beweise für diese Vorliebe. Bilder und Erinnerungsstücke stehen und hängen in jeder Ecke. Aber in dem kleinen Haus im Garten ist man schier überwältigt von der Fülle: Teekannen und Kaffeemühlen, ausgestopfte Vögel und Bahnschilder, Kuchenformen und Orgelpfeifen, eine alte Kasse, ein beleuchtetes Straßenbahnschild und ein gedeckter Tisch mit einem wunderbar verzierten Kaffeegeschirr aus Porzellan sind hier versammelt — das ist das kleine private Museum der Familie Markert.

Das mit dem Sammeln „hat sich mit den Jahren ergeben“, erklärt Edwin Markert. Schon seine Eltern hätten nie etwas wegwerfen wollen. „Die hingen auch so an den Sachen. Da durfte keiner ran“, erzählt er. Er habe dann alles behalten. „Ich kannte ja die Geschichten.“ Und hat das Sammelsurium weiter ausgebaut.

Im Haus gibt es alte Fotos und noch seine Ritterburg aus der Kindheit — „dafür hat mein Großvater zehn Reichsmark und einen Sack Kalk bezahlt“ — alte Urkunden und ein Gedicht über das Wuppertaler Original Husch Husch.

Im Garten steckt ein Traktorsitz im Blumenbeet: „Den habe ich Wald gefunden“, erzählt Markert. Er weist darauf hin, dass die Sitzfläche aus Metall auf eine geschwungene Stahlstange montiert ist — damit der Sitz federn kann. „Das war schon intelligent.“ Heute seien solche Sitze aus Plastik und lange nicht so haltbar.

Weiter unten im Garten in Hanglage ist eine kleine bergische Idylle mit Teich und „Käshammer“ im Gartenzwergformat nachgebaut. Daneben stehen je ein Stück Schiene des Sambazugs und der Schwebebahn. Als das Schwebebahngerüst erneuert wurde, „da habe ich einfach gefragt“, erzählt er. Schließlich habe man ihm die Schiene sogar bis vor die Haustür gebracht. „Hier hat die Welt dran gehangen“, sagt ein Schild. Damit seien all die Prominenten gemeint, die schon mit der Schwebebahn gefahren sind, erklärt Markert.

Nicht weit stehen ein Tisch und Stühle des ehemaligen Lokals Bergisch Nizza im Gelpetal für den Kaffee im Freien bereit. Die Terrassenmöbel hat er von einem ehemaligen Mitarbeiter des Lokals, der es selbst jahrelang im Garten stehen hatte.

Beim Betreten des kleinen Gebäudes im Garten landet man zunächst in einer Werkstatt. Blickfang ist die Wand mit Cronenberger Werkzeugen, die wie ein Bild arrangiert sind. Zu allem hat Markert etwas zu erzählen. „Die Blotschen sind durchgelaufen“, sagt er und zeigt auf ein Paar Holzschuhe, die von der Decke baumeln. „Das ist Geschichte!“ In der Ecke steht ein Eisenschrank, „von der Wehrmacht“. Und mit Blick auf einen Eimer an einem langen Stiel berichtet er davon, wie einst damit die Sickergrube geleert wurde.

Eine Tür führt in den Nachbarraum voll mit Alltagsgegenständen an Wänden und auf Regalen. Auch hier kann Markert viel erzählen. Die ausgestopften Vögel stammen noch von seinem Großvater, einem Jäger. Und an dem alten Straßenbahnschild kann er per Kurbel Nummer und Endhaltestelle verstellen — von Sudberg auf Kohlstraße oder auch Morianstraße.

In sein Museum führt er Besucher, manches Mal hat der Bürgerverein hier getagt. Auch Markert selbst lässt sich immer noch begeistern: „Ich sitze manchmal hier, gucke mir das an und entdecke immer wieder Neues. Ich kann mich daran so richtig erfreuen!“

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