Das Zentrum ist besser als sein Ruf

Cronenberg. Ein Einkaufsbummel durch den Stadtteil ist beschaulich und bequem. In schmucken Fachwerkhäusern mit Schieferfassade und Sprossenfenstern finden sich zahlreiche inhabergeführte Geschäfte mit individuellem Angebot.

Bäckerei, Buchhandlung, Kaufhaus, Elektrofachmarkt und Herrenausstatter liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt.

Diese Nähe schätzen die Kunden besonders. „Hier kann ich direkt vor dem Laden parken und habe alles, was ich brauche“, sagt Freia Engelhardt. Sie bedauert lediglich, dass das Schuhgeschäft im vergangenen Jahr geschlossen hat. „Ich selbst habe zwar genug Paare im Schrank, aber andere müssen dann immer in die Stadt fahren.“ Die Cronenbergerin würde sich wünschen, nicht nur ihre Einkäufe, sondern auch alles andere vor Ort erledigen zu können. „Wuppertal sollte sich dezentralisieren. Statt nach Barmen zu fahren, würde ich lieber hier ins Bürgerbüro gehen.“

Als eigenes Dorf in der Stadt empfindet auch Claudia Land Cronenberg. „Wir haben hier immerhin mehr als 20 000 Einwohner, der Einzelhandel hier oben ist sehr gut sortiert“, sagt die Inhaberin von Mode Reiss. Leerstände gebe es mit Ausnahme des ehemaligen Akzenta-Gebäudes kaum. „Diese Fläche ist für einen alleine viel zu groß.“ Grundsätzlich böten solche Flächen jedoch auch Chancen für Neues. Nur mit Versicherungen und Frisören sei das Dorf bereits überversorgt. „Ein guter Branchenmix ist wichtig, damit die Kunden ihr Geld vor Ort ausgeben.“

Das Schreibwarengeschäft ist zwar gerade wegen Krankheit geschlossen, doch nebenan hat mit der Dekorei gerade ein neuer Laden eröffnet und an der Solinger Straße entsteht gerade die neue Ticketzentrale des TiC-Theaters. Eine Nische hat Martin Quel mit seinem Wohnstil gefunden. „Wir haben uns mit unseren Heimtextilien in einem Bereich etabliert, den es in Wuppertal kaum noch gibt.“ Manche Kunden kämen aus dem Ruhrgebiet und dem gesamten Bergischen Land. Die meisten allerdings aus Cronenberg. „Wir haben eine sehr große Kaufkraft hier und die Leute sind sehr treu, wenn sie kompetent bedient werden.“

Nico Paffrath versorgt sich in Cronenberg vor allem mit den Dingen des täglichen Bedarfs. „Denn ich wohne hier und schätze die Nähe.“ Drogerie, Bäckerei und Kaufhaus Buß hat er in wenigen Minuten erreicht. Von der Garnrolle über Spielwaren bis zum Staubsauger bietet Buß das volle Sortiment. „Wir haben alles, was andere längst nicht mehr führen. Wir kümmern uns auch gerne um Ersatzteile und dieser Service bindet die Kunden“, sagt Inhaber Heinrich Buß. Das wissen sogar viele Elberfelder zu schätzen, die mit dem Bus anreisen. „Noch macht uns das Internet keine Probleme“, sagt der Geschäftsmann. Er hofft, dass die Cronenberger auch weiterhin in der realen Welt einkaufen, „denn sonst sterben unsere Innenstädte langfristig aus.“

Dirk Polick setzt sich als Inhaber der gleichnamigen Bäckerei für ein lebendiges Stadtteilzentrum ein. Gerade hat er sich für den verkaufsoffenen Sonntag engagiert, als nächstes möchte er den Herbstmarkt wieder beleben. „Als Cronenberger wünsche ich mir auch für mich ein schönes Umfeld. Wir haben eine Chance, das mitzugestalten, wenn alle sich einbringen.“ Er könnte sich auch vorstellen, der Werbegemeinschaft neues Leben einzuhauchen.

Michael Ackermann signalisiert als ehemaliger Vorsitzender Unterstützung. „Wenn das jemand in die Hand nimmt, wäre ich der Erste, der sich anschließt.“ Nur an der Spitze möchte er nicht mehr stehen. „Wir brauchen neue Ideen und frischen Wind.“ Die Tatsache, dass es derzeit keine Werbegemeinschaft gebe, bedeute jedoch nicht, dass in Cronenberg die Initiative fehle.

„Die Stimmung ist viel besser, als manche Lokalpolitiker sagen. Sie sprechen über nicht mehr vorhandene Leerstände. Das hat sich überholt. Wir sind hier oben gut aufgestellt“, betont der Inhaber des einzigen Herrenausstatters im Ort. Er ist überzeugt, dass sich auch ein neues Schuhgeschäft durchaus lohnen könnte. „Früher hatten wir hier drei davon und das hat funktioniert. Die Kundschaft ist da.“ Die sollte sich vor der Haustür von Kopf bis Fuß versorgen können, ohne nach Elberfeld ausweichen zu müssen.

Sandalen oder Winterstiefel kauft Karen Flanze dort ebenso wie Kleidung. „Alles andere bekomme ich hier und ich hoffe, das bleibt auch so.“ Die Cronenbergerin genießt es, jederzeit vor der Buchhandlung parken zu können, nebenan ihre WSW-Tickets zu lösen und einen Kontoauszug bei der Bank zu ziehen. „Sogar meine Waschmaschine kann ich hier kaufen.“

Spezialist für weiße Ware ist Elektro Klärner. „Als Traditionsbetrieb bieten wir auch Installationen und Reparaturen“, sagt Mitinhaberin Martina Becker. Sie weiß die Stammkundschaft und das Umfeld zu schätzen. „Unten in der Stadt wollte ich nicht sein und ich vermisse auch selbst nichts hier oben.“