Blumenwiese für Schmetterling und Co.

Blumenwiese für Schmetterling und Co.

Die Landwirte Kemp lassen fast zwei Hektar Ackerfläche blühen. Das lockt Insekten an und bietet ihnen einen Lebensraum.

Sudberg. Die schöne Landschaft in Sudberg ist um ein Fotomotiv reicher. Auf der Ackerfläche der Landwirte Kemp ist eine ansehnliche Blumenwiese gewachsen, die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge anlockt. Erst blickten Wanderer auf ein goldenes Meer aus Raps, mittlerweile dominieren die Sonnenblumen. „Wir haben viel positive Resonanz auf die Wiese bekommen“, berichtet Werner Kemp (73).

Neben der Ästhetik war den Landwirten auch der ökologische Aspekt wichtig. „Es wird ja immer gesagt, dass die Bauern alles kaputt machen“, sagt Kemp. Doch er wisse sehr wohl, dass man als Landwirt nicht gegen die Natur arbeiten kann. Daher entschieden er und seine Frau Rosemarie Kemp sich in diesem Jahr für eine alternative Bepflanzung. Bislang bauten die Sudberger auf der fast zwei Hektar großen Fläche Hafer für ihre Pensionspferde an, die das Hauptgeschäft der Kemps darstellen.

„Eigentlich wollte ich nur einen Grünstreifen pflanzen. Rund ein Drittel von dem, was es jetzt geworden ist“, berichtet Werner Kemp. Er habe die Blütensaatmischung nachlässigerweise in die Sämaschine zu den Rasensamen gegeben. Das Ergebnis überraschte ihn. Er hatte nicht vermutet, dass sich die Samen komplett verteilen. „Jetzt finde ich es aber sehr schön.“ Und die für Insekten wird etwas Gutes getan.

Nachdem 2016 Forscher in Krefeld nach Langzeitmessungen Alarm schlugen, ist der Insektenschwund bei Naturschützern derzeit ein großes Thema geworden. Demnach soll die Masse der Insekten in den vergangenen Jahrzehnten um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sein.

Jörg Liesendahl, BUND-Vorstandsmitglied der Kreisgruppe Wuppertal, kennt die Hintergründe der Entwicklung: „Das hat mit dem Wandel in der Landwirtschaft zu tun. Der Trend geht hin zu mehr Pferdehaltung und weniger Krautweiden.“ Zudem würden mit Pestiziden genau die Pflanzen gezielt beseitigt, die die Insekten zum Sattwerden benötigen. Er stellt allerdings auch in Frage, ob die Zahlen aus Krefeld auf das grüne Wuppertal zu übertragen sind und bezweifelt einen massiven Insektenschwund im Bergischen.

Die Aktion der Kemps findet Liesendahl „eigentlich begrüßenswert“. Nur: „Das ist natürlich als Maßnahme zu punktuell. Sinnvoller wären weniger Gifte und Kunstdünger auf den Flächen“, sagt der Naturschützer. Die Kemps sind zufrieden mit den Reaktionen und wollen das Feld auch im kommenden Jahr wieder blühen lassen — dann aber etwas dezenter.