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Wuppertal: Bandwebermuseum: Audio-Tour schafft Kopfkino im Museum

Wuppertal : Bandwebermuseum: Audio-Tour schafft Kopfkino im Museum

Anderthalbstündige Führungen sollen durch Hörspiel ergänzt werden. Möglich macht es Geld vom Landschaftsverband Rheinland.

Küllenhahn. Betritt der Besucher den zweiten Ausstellungsraum des Bandwebermuseums im Schulzentrum Süd, so taucht er ein in eine vergangene Welt: An der geblümten Tapete hängen schwarz-weiß Fotos von Webern, in der nachgebauten Hausbandweberstube stehen Haspeln und Webstühle. Auch wenn die Besucher alles an-fassen können und alle Geräte vorgeführt werden — lebendig wird die Geschichte der Bandweber dadurch noch nicht. Doch dafür gibt es bald einen Audio-Guide, der die anderthalbstündigen Führungen von Irmlind Pesch und Margret Kaiser ergänzen soll.

Jetzt sind erste Stationen vertont worden. Bislang kommt der Sound aus dem CD-Spieler. Eine Frauenstimme spricht: „Heute kommt die Familie zu Besuch. Ich werde eine Kartoffelsuppe kochen. Und die Kinder helfen mit.“ Im Hintergrund sind das Klappern von Tellern sowie Kinderstimmen zu hören. Die Audio-Tour ähnelt einem Hörspiel und die Besucher können sich selber gut vorstellen, wie die Protagonisten etwa am Holzkohlenherd im Museum gestanden haben.

Irmlind Pesch steht an diesem Exponat, zeigt ein Bügeleisen. Sie dreht eine Herdplatte und erklärt: „Auf der einen Seite ist ein Waffeleisen eingebaut. Auf der anderen Seite ist das Rezept für den Teig eingraviert.“ Auf die Details und eine umfassende Sicht auf den Beruf und die Lebensweise kommt es den beiden pensionieren Lehrerinnen an — auch wenn ein solcher Herd keine Besonderheit der Bandweber war.

„Wir wollen mit dem Audio-Guide unsere anderthalbstün-digen Führungen nicht ersetzten“, sagt Pesch. „An den einzelnen Stationen können die Besucher aber Zusatzinformationen erfahren, die wir nicht in unsere Tour einbauen können.“ Orange-weiße Schilder mit einem Kopfhörer-Piktogramm weisen an den Exponaten darauf hin, dass an dieser Stelle ein Audiotext angehört werden kann. Aktuell geschieht dies aber noch nicht.

„Wir sind noch auf der Suche nach dem passenden Abspielgerät“, sagt Margret Kaiser. Dies dürfe nicht zu teuer sein, müsse aber sehr robust sein. Pesch ergänzt: „Leider muss man sich bei Schülergruppen vor Vandalismus schützen.“ Die Audiotour sei ein Schritt in die Modernisierung und Digitalisierung. Die Anschaffung und auch die Vertonung konnte realisiert werden, weil der Landschaftsverband Rheinland (LVR) das kleine Museum an der Friedrich-Bayer-Realschule mit 5000 Euro unterstützt. „Es war aber auch für uns eine große Herausforderung, zu lernen, wie man die kurzen Szenen textet“, berichten die Lehrerinnen.

Der CD-Spieler wechselt die Aufnahmenummer, jetzt sind erstmals die ratschenden Geräusche des vier Meter breiten Bandwebstuhls aus dem Museum von 1907 zu hören — das allererste Exponat. 18 Schiffchen fahren gleichzeitig von links nach rechts und wieder zurück. Sie beschreiben einen halbrunden Bogen. Metall und Hölzer klacken laut aneinander.

Eine Männerstimme redet jetzt mit den Besuchern: „Sehen Sie auf das schwarz-weiß Foto. Ich bin der Mann ganz links.“ Er erklärt das Konzept der Mietfabrik. Viele Bandweber mieteten sich dort ein. Woanders gab es keinen Strom für ihre Geräte. „Bis auf einige Haspeln werden hier alle Maschinen elektrisch angetrieben“, sagt Kaiser.

In den drei Museumsräumen auf Küllenhahn zeigen sie nicht nur Geräte aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Zu ihrer Sammlung gehört etwa auch ein Jacquard-Webstuhl, der mit Lochkarten arbeitet, oder ein Automat zur Herstellung technischer Bänder.