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Völklinger Platz: „Jeden Tag Unterhaltung“

Völklinger Platz: „Jeden Tag Unterhaltung“

Seit 1985 betreibt Reimund Berscheidt den Kiosk am Völklinger Platz — und freut sich über viel Abwechslung.

Unterbarmen. Es ist wohl der einzige selbsternannte „Gourmet-Kiosk“ weit und breit, die „letzte Raststätte vor dem Arbeitsamt“, auf jeden Fall ein Mini-Einkaufsladen mit außergewöhnlichem Flair: Am Völklinger Platz Nummer 2 steht das Häuschen mit dem schwarz-weißem Fachwerk-Anstrich, dem Satteldach und der grün-weißen Markise, unverkennbar auf bergisch gemacht. Es fällt nicht nur anhand seiner Optik auf. Das weiß jeder, der einmal seinen Fuß in die zwölf Quadratmeter große Bude gesetzt hat.

Drinnen wartet der Inhaber, Reimund Berscheidt, ein echter Unterbarmer, der schon bei der Begrüßung einen Draht zu seinem Gegenüber aufzubauen scheint. Diese Souveränität zeugt von langjähriger Erfahrung: 1985 hat der 66-Jährige den Kiosk gekauft, zusammen mit seiner Frau, die er die „liebe“ Monika nennt. „So viel Zeit muss sein.“ Entweder er oder sie stehen im Laden, jeden Tag, morgens bis abends Ein eingespieltes Team. Aber ist es nicht langweilig hinter dem Tresen, Stunde um Stunde?

„Absolut nicht“, sagt Reimund Berscheidt. „Hier ist jeden Tag Unterhaltung. Viel besser, als auf der Couch zu sitzen und fernzusehen.“ Manchmal trifft der Geschäftsmann Berühmtheiten an seinem Kiosk. Einmal, erzählt er, habe der deutsche Schauspieler Claus Wilcke vor dem Büdchen gestanden. Und regelmäßig kämen Kunden, die ihm ihr Herz ausschütteten. Er höre zu. „Man bekommt viel mit. Man redet. Man trifft auf Beratende und Ratsuchende“, sagt er, und das klingt ganz diskret. Er fühlt sich seinen Kunden eben auch in dieser Hinsicht verpflichtet.

Das Warensortiment ist überschaubar, es gibt Zeitungen, Zeitschriften, Zigaretten, Softdrinks, Milchgetränke, Bier, Spirituosen, Süßigkeiten — sogar als „Tütchenware“, wie früher. Das zeigen viele Kunden, die als Kinder in den Berscheidt’schen Kiosk kamen, inzwischen ihrem eigenen Nachwuchs. „An sowas merkt man, wie alt man geworden ist. Die Zeit vergeht schnell“, sagt der Unterbarmer.

Um seine Kunden bei Laune zu halten, lässt er sich regelmäßig Neues einfallen. „Rein mit Kiosk-Ware kann man kein Geld machen“, sagt Reimund Berscheidt. Aktuell gibt es zum Beispiel Eiskaffee aus der winzigen Kiosk-Küchen-Ecke. „Ich probiere alles, was ich verkaufe, vorher aus. Man sieht mir an, dass es schmeckt“, sagt der groß gewachsene Mann und lacht dabei. Damit es bei der Verkostung von Speisen und antialkoholischen Getränken gemütlich ist, hat er in einer anderen Nische eine Eckbank mit Tisch eingebaut. Auch draußen können vier Personen zusammensitzen. „Außengastronomie“, sagt der 66-Jährige.

„Der ist nett, wir kennen den schon zwei Jahre und kaufen uns da immer Cola“, sagt der elf Jahre alte John, der mit seinen vier Kumpels zum Fußballspielen auf den angrenzenden Völklinger Platz gekommen ist. Auch dort spielt sich reges Leben ab. Aber die wahre Bühne, das ist der urige Kiosk. „Heute Käsekuchen“, steht auf einer Tafel geschrieben, mit rosafarbener Kreide. Jeden Tag eine neue Überraschung.