Trendsport: Neue Heimat für Parkour-Sportler in Wichlinghausen

Trendsport: Neue Heimat für Parkour-Sportler in Wichlinghausen

400 000 Euro: Baubeginn für die Anlage am alten Bahnhof.

Wichlinghausen. Während Tom Zimmermann vom Ressort Jugend und Freizeit beim alten Bahnhof Wichlinghausen einen großen Plan ausrollt, graben sich im Hintergrund Bagger ins Erdreich der Nordbahntrasse. Vault, Monkey Table, Preci oder Big Swingroof ist auf dem Plan zu lesen. Die Begriffe sind dem Laien wohl ebenso wenig geläufig wie das Wort Parkour, zumindest in seiner modernen Lesart. Gemeint ist ein Trendsport, der Fortbewegung mit Akrobatik verknüpft und darauf abzielt, diverse Hindernisse einzeln oder in Kombinationen zu überwinden.

Sebastian Gies ist einer der noch wenigen Trainer in dieser Disziplin. Wie groß die Szene derzeit sei, vermöge er nicht einzuschätzen, sagt Gies, ist aber überzeugt, dass die Anhängerschaft rapide wächst. Als Vertreter der Szene hat Gies in den vergangenen Monaten die Planungen für den Wuppertaler Parkour verfolgt und sagt, dass die Verhandlungen mit der Stadt zur Zufriedenheit aller verlaufen seien.

Vergessen sind demnach die Diskussionen um den Zaun, der entsprechend dem Wunsch der Wuppertal Bewegung den Kurs gegen die Trasse abgrenzen wird. Es war befürchtet worden, dass sich Radfahrer und Parkoursportler gegenseitig behindern würden. So ein Zaun sei lediglich Aufforderung, ihn als Element mit zu nutzen, schaffe aber das Gefühl, eingesperrt zu sein, hieß es aus der Szene. Gebaut wird er dennoch, nun allerdings mit dem Hinweis, er schütze den Park gegen Hundekot. Ursprünglich sollte der Zaun aus Schwellen der Nordbahntrasse gebaut werden. Die aber würden sich wegen ihrer Form nicht eignen, sagt Zimmermann. Für einen Euro pro Stück konnte er Mängelexemplare von der Bahn besorgen, die nun als Ersatz dienen. Über zwei Zugänge, davon einer barrierefrei, ist das 1000 Quadratmeter große Areal erreichbar.

Bei aller Sparsamkeit, die etwa bei der Beschaffung der Schwellen zum Zuge kam, wird der Parkour immerhin 370 000 Euro aus dem Programm „Soziale Stadt“ verschlingen. Mattis Ricken vom Ressort Grünflächen und Forsten begründet die Kosten mit Abbruchmaßnahmen, teuren Geräten aus Stahl und Beton und vor allem mit einem gegossenen Kunststoffboden als Fallschutz. Nach der Fertigstellung sei der Parkour allerdings nahezu wartungsfrei.

Ob der Betrieb auch konfliktfrei verlaufen wird, muss sich zeigen. Schon jetzt gibt es laut Bezirksbürgermeisterin Christel Simon (CDU) zahlreiche Beschwerden von Anwohnern, die über Lärm, Müll und Alkoholkonsum klagen. Zimmermann sieht das entspannt. Er glaubt, dass der Parkour sogar eine beruhigende Wirkung haben wird. Immerhin aber wird die Anlage zahlreiche Besucher nach Wuppertal locken, denn sie ist in dieser Größe und Komplexität einmalig in Deutschland. Nicht einmal Berlin könne mit so einem Parkour aufwarten, sagt Gies. Der große Vorteil liege darin, dass Anfänger und Könner nebeneinander üben könnten und einer den anderen beflügele. Zimmermann sieht zudem die Möglichkeit, dass der Parkour auch in das Sportangebot der Schulzentrums Ost einbezogen wird.

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