Theater zeigt die Gefahren im Netz

Im März wird das Stück „Click It!²“ im Haus der Jugend aufgeführt, das sich mit Internetgewalt unter Schülern auseinandersetzt. Eine Vorstellung ist für Erwachsene reserviert.

Zentrum. Bösartige Fotomontagen im Internet, Verleumdungen in Chatgruppen, Mobbing auf Online-Foren: Das gehört inzwischen zum Alltag von Schülern. Sobald sie ein Smartphone haben, tippen die meisten, was die Finger hergeben und sind sich häufig keiner Schuld bewusst. Genau da setzt „Click It!²“ an. Das Theaterstück von „Zartbitter“, der Kölner Kontaktstelle gegen sexuellen Missbrauch, zeigt anschaulich, was Cybermobbing für die Opfer bedeutet.

„Seit 2005 zeigen wir ,Click It!’ jedes Jahr eine Woche lang. 2000 Schüler kommen in die zehn Vorstellungen“, berichtet Martina Wagner vom Haus der Jugend Barmen. Der Adressatenkreis sind die Klassen 6 bis 8, also die Zwölf- und 13-Jährigen. Aber auch Eltern sind angesprochen. Für sie gebe es eine Extravorstellung, ergänzt Irmgard Stinzendörfer vom erzieherischen Kinder- und Jugendschutz der Stadt. „Für Eltern bietet sich hier die Gelegenheit, über das Stück mit ihren Kindern ins Gespräch zu kommen“, meint die Präventionsberaterin. Die Nutzung des Internets, egal, ob auf dem Computer oder dem Smartphone, sei ein heikles Thema für die Jugendlichen: „Deshalb stehen sie auch nicht darauf, wenn Eltern Nutzungsregeln aufstellen.“

Dass die aber wichtig und richtig sind, zeigt „Click It!²“ - die Fortsetzung oder Weiterentwicklung von „Click It!“. Sei es damals darum gegangen, Kinder vor Fremdtätern zu schützen, die auf sexuellen Missbrauch aus seien, müssten Kinder jetzt vor Gleichaltrigen beschützt werden, verdeutlicht Martina Wagner: „Waren es früher Fremde, sind es jetzt die vermeintlichen Freunde, die die Jugendlichen bedrohen.“ Und Irmgard Stinzendörfer fügt hinzu: „Cybermobbing ist ein riesen Thema. Da werden Fotomontagen bei Facebook eingestellt oder eigene Gruppen in WhatsApp gegründet, in denen über einzelne Mitschüler gelästert wird.“

Deshalb sei es wichtig, mit den Kindern darüber zu reden. Das Theaterstück, in dem es darum gehen soll, bei den Schülern Empathie für die Opfer zu erzeugen, biete den idealen Anknüpfungspunkt. „Eltern können sich von ihren Kindern anschließend erklären lassen, wie zum Beispiel Facebook funktioniert. Damit machen sie die Kindern zu Experten und können dann darüber sprechen, was im Internet passiert.“

Für Fragen der Erwachsenen stehen nach dem einstündigen Stück außer Martina Wagner und Irmgard Stinzendörfer auch ein Polizist des Kommissariats Prävention/Opferschutz und die Berater von „Zartbitter“ zu Gesprächen bereit. Die Schüler können ihre Eindrücke nach der Vorstellung ebenfalls mit den Expertinnen der Stadt und den Schauspielern diskutieren. Dass das Theaterstück Wirkung zeigt, erleben die Organisatorinnen immer wieder: „Es ist schon einige Male vorgekommen, dass Schüler uns oder die Schauspieler - zwar nicht in der Diskussion vor 200 Anderen, aber später - ansprechen. Sie erzählen uns dann, was ihnen passiert ist“, berichtet Irmgard Stinzendörfer. Damit ist ein Ziel von „Click It!“ erreicht — die Botschaft zu vermitteln: Hilfe holen ist kein Verrat!

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