Statt 1,3 Millionen gibt’s nur 60 000 Euro für Berliner Platz

Statt 1,3 Millionen gibt’s nur 60 000 Euro für Berliner Platz

Stadt stellt der Öffentlichkeit und Lokalpolitik die abgespeckten Pläne vor und verteidigt sie.

Oberbarmen. Es war regelrecht mutig vom Bauamt der Stadt, trotz selbst verursachter Probleme öffentlich über „Sofortmaßnahmen für den Berliner Platz“ zu informieren. Eine halbe Stunde vor der Sitzung der Bezirksvertretung Oberbarmen konnten sich Interessierte anhören, was die Fachverwaltung plant, die aus Personalnot einen großen Umbau mit 1,3 Millionen Euro Fördergeldern abgelehnt hat — trotz Ratsbeschluss.

Betroffen davon ist nicht nur der Berliner Platz, sondern auch das Umfeld. Einen neuen Fernbusbahnhof wird es genauso wenig geben wie eine barrierefreie Wichlinghauser Straße. Stattdessen sollen 60 000 Euro zeitnah in den Berliner Platz investiert werden, der für die einen das Tor zur Stadt und für die anderen ein Angstraum ist.

Viel ist es nicht, was das Bauamt anbieten kann, was aber nach Bekunden der Fachabteilungen nicht nur am fehlenden Personal, sondern auch an der Fördermittelbindung liegt. „Der Berliner Platz ist vor einigen Jahren erst mit Fördergeldern umgestaltet worden“, erklärte Benjamin Simon vom Ressort 101.

Aktuelle Änderungen des 1996 fertiggestellten Platzes könnten nach Einschätzung der Verwaltung dazu führen, dass Fördergelder zurückgezahlt werden müssten, „und dass müssen wir unbedingt verhindern.“

fühlen sich die Mitglieder des Bürgerforums Oberbarmen, nach der Ankündigung, dass der Umbau nicht kommt

Erst im Juli 2021 könnte etwas verändert werden. Der Vertreter des Bauamtes stellte die einzelnen Maßnahmen vor, die realisiert werden dürfen und die nach seinem Wissenstand „nicht aus Fördermitteln, sondern aus der Kasse des Oberbürgermeisters oder des Kämmerers kommen.“ Angedacht ist unter anderem der Abriss der Pavillons zur Schwebebahn hin. Lediglich das Trafohäuschen müsse stehen bleiben, „weil hier die komplette Verkabelung für den Berliner Platz liegt“, erläuterte der Experte. Eine in den Boden eingelassene Beleuchtung soll die Bäume auf dem Platz anstrahlen. Außerdem sollen Bänke abgebaut werden, um eine Versammlung größerer Gruppen zu verhindern.

Ein Spielpunkt am ehemaligen Kiosk soll den Platz für Familien attraktiver machen. 18 500 Euro zusätzlich sollen die Aufbereitung des Platzes und der Umbau der Toilettenanlage kosten. Das WC soll mit einem neuen Türschloss versehen werden, das mit einem speziellen Chip geöffnet werden kann. „Diese Münze kann man sich am Kiosk abholen“, sagte der Bau-Experte.

Nach dem Vortrag durften die Bürger eigene Ideen beisteuern. So kam der Vorschlag, das Toilettenhäuschen behindertengerecht umzubauen und es mit einer Selbstreinigungsanlage auszustatten. Zwei Spielgeräte für Kinder wurden außerdem gewünscht und Lichterketten um die Baumstämme anstatt der Bodenbeleuchtung. Kritisch äußerten sich die Bezirksvertreter in der anschließenden Sitzung zu dem Thema Berliner Platz. Wieso wird ein Ratsbeschluss einfach nicht umgesetzt? Wie lange ist das bekannt? Warum werden die Gremien nicht offiziell informiert?

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