Schüler lernen spielerisch mit Konflikten umzugehen

Schüler lernen spielerisch mit Konflikten umzugehen

Grundschule Dieckerhoffstraße möchte „Gewaltfrei lernen.“

Langerfeld. „Stopp, lass mich!“, ruft Nojan laut und deutlich. Dann befreit der Sechsjährige sich mit einem kräftigen Ruck aus dem Klammergriff. Seine Hand hat Katrin Stark festgehalten. Sie ist Trainerin bei dem Verein „Gewaltfrei Lernen“. Der führt deutschlandweit Projekte an Schulen durch, um Schülern unter anderem mit Bewegungsspielen zu zeigen, wie sie sich gegen verbale und körperliche Gewalt schützen können. An der Evangelischen Grundschule an der Dieckerhoffstraße wird das Projekt zum ersten Mal durchgeführt. Konflikte unter den Schülern sind auch hier ein Thema, erklärt Schulleiterin Barbara Rüppel. Die Kinder seien unruhiger geworden.

Viele würden nicht mehr den Kindergarten besuchen und haben den Umgang mit Konfliktsituationen noch nicht gelernt. Immer öfter würden soziale Kompetenzen fehlen. „Was mache ich, wenn jemand Blödmann zu mir sagt?“ sei beispielsweise eine Frage, auf die in der Schulpraxis unterschiedliche Antworten gegeben werden. Manche Schüler ziehen sich eher zurück, andere holen sich Verstärkung und manche stürmen drauf los und schubsen beispielsweise, so Rüppel. Nicht nur die Schüler sollen bei dem Projekt etwas für den Umgang miteinander lernen. Auch die Lehrer wurden fortgebildet. Einen Aha-Erlebnis hatte Kirsten Cichon, Konrektorin der Grundschule Dieckerhoffstraße als sie ein Rollenspiel kennenlernte, bei dem es um das Thema Ausgrenzung geht. Die Schüler werden dabei in Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe grenzt aus, eine wird ausgegrenzt und eine nimmt ausgegrenzte Schüler auf. Das Ergebnis: Alle Schüler haben sich in ihrer jeweiligen Rolle „doof“ gefühlt. „Es ist toll zu sehen, wie man es spielerisch beibringen kann“, sagt Kirsten Cichon. Auch bei den Schülern der 1a kommt das an.

Es ist die zweite Einheit, die Trainerin Katrin Stark mit der Klasse in der Turnhalle der Schule durchführt. Rund 28 Schüler stehen in einem Kreis. Die nächste Lektion haben sie schon kennengelernt. „Wenn man es nicht möchte, dann soll man nein sagen“, erinnert sich eine Schülerin. Im Kreis üben die Schüler mit Katrin Stark Tricks, damit das „Nein“ auch deutlich genug rüberkommt. Die „Stopp-Hand“ geht nach vorne und macht klar, dass jetzt Schluss ist. Beim „Bohrer-Blick“ schauen die Kinder ernst. Dann richten sie ihren Oberkörper breit auf wie ein Bär, um die Körpersprache noch deutlicher zu machen. Gemeinsam rufen sie Sätze wie „stopp, lass mich in Ruhe“. Nach dieser Übung folgt eine Art Rollenspiel. Zunächst geht Katrin Stark an jeweils einem Kind vorbei und schubst es. Mit der Stopp-Gestik machen die Kinder deutlich, dass sie nicht angelangt werden wollen. „Die machen das total gerne“, sagt Dorothe Seuthe, Klassenlehrerin der 1a. Die Methoden scheinen auch im Schulalltag Wirkung zu zeigen. Im Kunstunterricht habe sie kürzlich einen Schüler klar deutlich „Stopp!“ sagen hören. pasch

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