Schrottimmobilie: Schrottimmobilie wird abgerissen

Schrottimmobilie : Schrottimmobilie wird abgerissen

Der Schandfleck an der Gildenstraße 9 macht auf 2700 Quadratmetern Platz für Neuentwicklung.

. Sie war so hässlich, dass sie schon wieder als Sehenswürdigkeit bezeichnet werden konnte: die Schrottimmobilie an der Gildenstraße 9, einst Quartier für die Schützengilde. Seit Mittwoch kann man von ihr in der Vergangenheitsform sprechen, denn seitdem regiert dort der Abriss-Bagger, der nahezu alle Grundmauern eingerissen hat und Vorarbeit für eine weitaus freundlichere Lösung am „Tor zu Oberbarmen“ leistet.

Eine solche Lösung schwebt nämlich Gerhard Petig vor, der das 2700 Quadratmeter große Areal neben seiner Autowaschstraße 2005 ersteigerte und sich eine repräsentative Bebauung wünscht. Seine Gedanken gehen noch darüber hinaus, denn mit dem Nachbargrundstück und einem weiteren angrenzenden stünden rund 7000 Quadratmeter für eine Neuentwicklung zur Verfügung. Wie am Freitag beim Besichtigungstermin zu hören war, stehen deren Eigentümer einem Verkauf und damit auch einer großzügigen Lösung für eine Mischgebietsnutzung für Wohnungsbau und gewerbliche Betriebe positiv gegenüber.

Zunächst war aber wichtig, dass die Bauruine endlich abgerissen wird. Birgitt Lotsch aus dem Haus Nummer 13 nebenan atmet sichtlich auf: „Wir wohnen seit 25 Jahren hier, und das Haus war eigentlich noch nie schön. Alle, die da vorbeikamen, haben auf einen Abriss gehofft. Früher war da mal die Brasilia-Bar, später eine Art Bordellbetrieb, eine Spielhölle, und da gab es in der Vergangenheit auch einige Polizeieinsätze“, erzählt die Nachbarin. Vor der totalen Verwahrlosung und vor dem Brand im Jahr 2004 hätten zudem auch Obdachlose in der Ruine genächtigt. „Wir sind froh, dass jetzt endlich etwas passiert.“

Diesmal bleibt die Stadt nicht auf den Kosten des Abrisses sitzen

Oberbürgermeister Andreas Mucke, der vor Beginn seiner Amtszeit Geschäftsführer der Quartiersentwicklungsgesellschaft war, hatte stets auf den Abriss des Schandflecks gedrängt. „Wir haben mal eine Liste der Schrottimmobilien in Wuppertal zusammen gestellt, und dabei gehörte die Gildenstraße zu den Top-Ten“, erklärte Mucke. Er setzte sich mit Gerhard Petig, der mit seinen Plänen bis dahin vor bürokratischen Hürden gestanden hatte, zusammen. Nach zähen Verhandlungen wegen der Übernahme der Abrisskosten wurde dann eine Einigung erreicht. Wobei auch noch die durch die seinerzeitige Tieferlegung nötig gewordene Fußgängerrampe ein Hindernis darstellte. Gerhard Petig übernimmt auch die Kosten für deren Abriss, während die Stadt Wuppertal für die Sicherung der Baustelle garantierte.

„Es ist sehr positiv, dass im Gegensatz zum Abriss anderer Schrottimmobilien, wo die Eigentümer oft nicht mehr greifbar sind, endlich mal nicht die Stadt Wuppertal auf den Abrisskosten sitzen bleibt“, lobte Mucke das finanzielle Engagement von Petig. „Die beste Idee war es, auch die Wirtschaftsförderung mit ins Boot zu holen“, so Petig.

Mucke, Petig und Alexander Bukhardt von der Wirtschaftsförderung waren am Freitag mit dem Abbruchunternehmer und zahlreichen Gästen vor Ort und freuten sich über den nun zügigen Fortgang der Arbeiten. Die in die Wege zu leiten, war gar nicht so einfach, denn auch die Vorschriften des Natur- und Artenschutzes gab es zu bedenken, wie Bukhardt erläuterte: „Wir profitieren jetzt von den relativ hohen Temperaturen, denn wenn die unter zehn Grad gefallen wären, hätten wir nicht abreißen können, weil dann möglicherweise Fledermäuse in ihrem Winterschlaf gestört worden wären. Bei mehr als zehn Grad ist deren Winterschlaf offenbar nicht gefährdet.“ Die Arbeiter versicherten derweil, keine Fledermäuse gesehen zu haben.

Ein anderes Problem stellte die Fußgängerrampe entlang der Häuserzeile 9 und 13 dar. Durch deren Mauer verläuft nämlich der Entwässerungskanal der beiden Gebäude. Der muss vor Abriss der Mauer erst an die Hauptleitung des Gildenstraßenkanals angeschlossen werden. Das soll im November geschehen.

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