Neue Chance für die Bergbahn? Studenten prüfen die Machbarkeit

Neue Chance für die Bergbahn? Studenten prüfen die Machbarkeit

Der Fachbereich „Öffentliche Verkehrs- und Transportsysteme“ der Bergischen Uni sieht Chancen. Mögliche Kosten sind aber noch kein Thema.

Barmen. Eine kleine Zahnradbahn kraxelt durch die Barmer Anlagen Richtung Toelleturm. Für Manche ist das eine ferne Erinnerung, für viele Andere kaum vorstellbar — für den Verein Barmer Bergbahn ist es eine Vision: Die Mitglieder setzen sich seit 2009 für eine Wiederbelebung des alten Verkehrsmittels ein, das 1959 stillgelegt wurde. Die Umsetzbarkeit des Projekts hat Volker Albrecht im vergangenen Semester mit seinen Studenten untersucht. Er ist Dozent am Lehrstuhl für Öffentliche Verkehrs- und Transportsysteme der Bergischen Universität.

Im Rahmen eines Seminars für Master-Studierende hat Albrecht mit seinen Studenten verschiedene Aspekte des Projekts untersucht. Die Ergebnisse bewertet er sehr klar: „Aus rein verkehrswirtschaftlicher Sicht ist die Notwendigkeit einer Barmer Bergbahn nicht gegeben.“ Bahnen seien vor allem dann sinnvoll, wenn Verkehrsmittel mit großen Kapazitäten benötigt würden, was im Einzugsbereich der Bergbahn nicht der Fall sei.

Auch die bestehenden Buslinien könnten nicht durch die Bahn ersetzt werden, da diese viele Wohnviertel bedienen, die bei einer gradlinig verlaufenden Bahn keine Anbindung mehr hätten.

Das bedeute aber nicht, dass eine Wiederbelebung der Bahn nicht möglich sei, betont Albrecht: „Ich sehe die Chance in einem Freizeitprojekt abseits einer reinen Kosten-Nutzen-Rechnung. Zum Beispiel könnte ich mir gut vorstellen, dass die Verbindung von Natur und Technik durch eine Wiederbelebung der Bahn im Bereich der Barmer Anlagen bei Familien sehr gut ankommt“, so der Dozent. Dabei könne man auch erst mal nur diesen Teil der Strecke in Betrieb nehmen, um zu sehen, wie das Projekt anläuft.

„Bei einer Streckenführung bis ins Tal sind wir zu dem Schluss gekommen, dass nur die Führung der Bahn zur Rückseite des Barmer Bahnhofs Sinn macht.“ Ein direkter Anschluss an die Barmer Innenstadt sei mit zu hohen Änderungen der Straßenführung verbunden, erklärt Albrecht. Mit einer konkreten Kostenaufstellung habe man sich aber zurückgehalten. „Wir haben zunächst einmal die bestehenden Möglichkeiten abgewägt. Nun muss der Verein sich für ein klares Konzept entscheiden, das man dann durchrechnen kann.“

Das soll schon sehr bald passieren: Im Jahr 2014 soll die endgültige Machbarkeitsstudie zur Barmer Bergbahn vorgelegt werden, erklärte der Vereinsvorsitzende Jürgen Eidam vor kurzem bei einem Tag der offenen Tür des Vereins. „Der Barmer Verschönerungsverein feiert nächstes Jahr sein 150-jähriges Bestehen und unsere Bergbahn wäre 120 Jahre alt geworden. Das Doppeljubiläum ist also ein würdiges Datum für die Veröffentlichung der Studie.“

Kritiker weisen aber schon jetzt darauf hin, dass vor allem der Unterhalt der Bahn — unabhängig von den Baukosten und der Streckenführung — die Bahnenthusiasten vor unüberwindbare Hürden stellen dürfte.

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