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Mauer statt Bretterzaun: Stadt vergisst Baugenehmigung

Mauer statt Bretterzaun: Stadt vergisst Baugenehmigung

Warum ein Antrag monatelang unbearbeitet im Rathaus liegenblieb.

Barmen. Seit seiner Errichtung im Jahr 2010 scheiden sich an ihm die Geister: dem Bretterzaun an der Kirche St. Antonius. Die wenig dekorative, 3,50 Meter hohe Holzwand soll das Gelände der neben der Kirche gelegenen Kindertagesstätte vor Lärm und Feinstaub auf dem benachbarten Steinweg schützen — doch sein Erscheinungsbild trägt ihm seither nicht nur Freunde ein. Bei der Barmer Bezirksvertretung (BV) war jetzt — das ist die gute Nachricht — zu erfahren: Die Tage des Zauns sind gezählt. Die Kehrseite der Neuigkeit: Weil die Stadt einen Bauantrag vergaß, steht noch in den Sternen, wann der Zaun einer wesentlich schmuckeren Mauer weichen kann.

Der Reihe nach: Die BV-Politiker hatten beim Kirchenvorstand von St. Antonius angefragt, wie lange sie noch mit dem Bretterzaun leben müssten. Monsignore Michael Haupt, Pfarrer von St. Antonius, antwortete schriftlich: Ja, eine Mauer solle den Zaun so rasch wie möglich ersetzen. Allerdings habe die Gemeinde auf eine erste, bereits erteilte Baugenehmigung hin nicht tätig werden können, weil das Projekt mit dem neben St. Antonius befindlichen Deckel des unterirdischen Mühlengrabens nicht vereinbar gewesen sei.

Daraufhin habe die Gemeinde im Januar 2012 einen geänderten Bauantrag bei der Stadt eingereicht. Er sah anstelle des Zauns eine von Nischen und Scheiben durchbrochene Mauer vor, die zum imposanten Baukörper der benachbarten Kirche gepasst hätte. Danach passierte — erstmal nichts. Nach den Sommerferien wurde Haupt stutzig und hakte bei der Stadt nach.

„Hätte ich es doch früher getan!“, schreibt Haupt in seinem Brief an die BV. Denn dann stellte sich heraus (und das bestätigte die Stadt am Freitag auch auf WZ-Nachfrage): Im Juni war die Sachbearbeiterin bei der Stadt aus dem Dienst ausgeschieden — offenbar war der Vorgang damit in Vergessenheit geraten. Seit Mai 2012 hatte sich bei in der Akte nichts mehr getan. „Ungeheuerlich!“, hieß es dazu aus den Reihen der Bezirksvertreter.

Immerhin: Im September ging bei der Gemeinde die neue Genehmigung ein. Doch nach der langen Wartezeit ist laut Haupt nicht klar, ob sich dieses Jahr überhaupt noch etwas auf der Baustelle tun kann. Der markante Bretterzaun wird Barmen also wohl noch eine Weile erhalten bleiben.