Lichtscheid - Anekdoten zum höchsten Punkt Wuppertals

Lichtscheid - Anekdoten zum höchsten Punkt Wuppertals

Zwischen Stadion und Kaffeetafel hat sich in der Vergangenheit vieles verändert – zwei Anwohner blicken zurück.

Lichtscheid. Das Leben am Lichtscheid ist nichts für Frostbeulen: Hier oben, 350 Meter über dem Meeresspiegel, auf dem höchsten Punkt Wuppertals, ist es immer ein paar Grad kühler als im Rest des Tals. "Wenn es unten noch regnet, haben wir hier oben schon Schnee", weiß Ingeborg Scholz (78), die am Lichtscheid aufgewachsen ist. In den vergangenen Jahren hat sich viel hier oben verändert - das Lichtscheid, das sie aus ihrer Kindheit kennt, gibt es heute nicht mehr. "Wenn wir hier Klassentreffen veranstalten, erkennen manche ihre alte Heimat kaum wieder", erzählt Scholz

Siegfried Winkelsträter (77), der ebenfalls am Lichtscheid aufgewachsen ist, hat die Veränderungen in einem Film festgehalten. Historische Fotos, Kartenmaterial und eigene Bilder von Baustellen zeigen, wie sehr sich dieser Stadtteil verändert hat. "Früher kannte hier jeder jeden", sagt Winkelsträter und zählt auf, wo überall neue Siedlungen entstanden sind. Giveonstraße, Käthe-Kollwitz-Weg - unzählige junge Familien sind in den letzten Jarhen an die Südhöhen gezogen. "Unsere Marper Grundschule braucht sich um sinkende Schülerzahlen nicht zu sorgen", sagt Ingeborg Scholz und erzählt, dass sie selbst dort zur Schule ging, genau wie ihre Kinder und Enkel. "Wer hier oben aufgewachsen ist, hat die Marper Schule besucht", ist sich Winkelsträter sicher.

Große Bedeutung für Lichtscheid hatte schon immer der Wasserturm. Das alte Bauwerk wurde 1977gesprengt und durch einen neuen Turm ersetzt. Wer heute nach Lichtscheid kommt, passiert am Überflieger zwangsläufig den neuen Wasserturm.

Ein anderer Fixpunkt in Lichtscheid war das Gasthaus Finkenstein, das zwischenzeitlich auch "Zur schönen Aussicht" oder "Sport-Restaurant" hieß. Dort wuchs Ingeborg Scholz auf und sie erinnert sich, dass viele Familien aus dem Tal hinaufwanderten und sich oben stärkten. "Für zwölf Mark bekam man eine Bergische Kaffeetafel mit allem, was dazu gehörte, da wurde die ganze Familie satt. Zumal die Gäste zu Fuß hier her wanderten und richtig hungrig waren." Heute befindet sich ein kleines Café in der einstigen Gastwirtschaft.

Untrennbar mit der Geschichte von Lichtscheid verbunden, ist das Barmer Stadion. Gebaut wurde es 1909, die Radrennbahn aus Beton war das Prunkstück. Hier fanden die ersten Steher-Meisterschaften statt: Dabei fuhr ein Motorrad voran und ein Fahrrad im Windschatten hinterher. In den 1950er Jahren wurde das Stadion wegen Kriegsschäden abgerissen.

Verschwunden sind auf Lichtscheid auch die kleinen Läden. "Früher gab es hier fünf Geschäfte, einen Schuhmacher, einen Metzger und einen Bäcker", erinnert sich Dorothea Winkelsträter. Heute bietet lediglich ein einziger Händler Waren an. Wer etwas erledigen will, ist hier oben auf das Auto oder den Bus angewiesen.

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