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Lante: Wie eine „kleine Straße“ für große Diskussionen sorgt

Lante: Wie eine „kleine Straße“ für große Diskussionen sorgt

Unternehmer Jochen Bovenkamp will investieren — und verteidigt die Sperrung.

Hatzfeld. Der beliebteste Mann auf Hatzfeld ist er derzeit sicher nicht — zumindest nicht bei einigen Anwohnern der Lante. „Diese kleine Straße“, wie Jochen Bovenkamp, Geschäftsführer von Köbo Donghua, immer wieder gerne sagt. Doch genau „diese kleine Straße“ sorgt seit über einem Jahr für Diskussionen.

Die Geschichte in Kürze: Bovenkamp will auf seinem Gelände investieren (siehe Infokasten), braucht nach eigener Aussage dafür ein Teilstück der Straße. Die Stadt unterstützt die Pläne und hat dem Verkauf bereits zugestimmt — unter der Voraussetzung, dass Bovenkamp einen Ersatzweg für Fußgänger schafft. Doch die Anwohner laufen seit dem Bekanntwerden der Pläne Sturm. Mangelnde Transparenz wird vor allem der Stadt vorgeworfen, die anfangs nur von einem Verkehrsversuch gesprochen habe. Empörte Briefe wurden geschrieben. Der Alternativweg sei nur ein Provisorium, ein „Angstraum“, und werde, so die Befürchtung, vielleicht zur Dauerlösung. Auch viele Lokalpolitiker kritisieren das Vorgehen der Stadt.

Bovenkamp kann den Ärger nicht verstehen. „Ich brauche eine gesicherte verkehrliche Erschließung“, sagt der 60-Jährige beim Rundgang über das Firmengelände. Gabelstapler sind dort unterwegs, Lkw fahren ein und aus. Auf dem Gelände nördlich des Lante-Teilstücks soll bald eine moderne Produktionshalle entstehen. Da passe es einfach nicht, wenn mitten durch das Firmengelände immer noch Anwohnerverkehr laufe.

Bovenkamp betont, dass er keinen Streit mit den Anwohnern habe. „Es ist eine sachliche Auseinandersetzung.“ Man kennt sich, seit Jahren, seit Jahrzehnten. Bovenkamp ist selbst Hatzfelder, sein Urgroßvater gründete 1894 das Unternehmen, das heute mit Industrieketten sein Geld verdient. „Das Häuschen, in dem sich jetzt der Kindergarten befindet, war sozusagen die Gründerstätte der Firma“, sagt Bovenkamp und kann sich den Seitenhieb nicht verkneifen. „Wir sind länger hier als die Anwohner, die jetzt meckern.“

Für vorgeschoben hält er einige Kritikpunkte. Den Anwohnern gefalle einfach nicht, dass sie, wenn die Sperrung durch sei, einen kleinen Umweg fahren müssen. Immer wieder, so Bovenkamp, sei zu hören: Wuppertaler Firmen sollen in der Stadt investieren — „nur nicht vor der eigenen Haustüre“, wie Bovenkamp anmerkt.

Beim Rundgang präsentiert er auch die „Tunnellösung“, durch die Fußgänger bald die Hatzfelder Straße erreichen sollen. „Der ,Angstraum’“, wie er kopfschüttelnd feststellt. Die Kritik weist er zurück. Er räumt jedoch ein, dass der Tunnel vor einigen Wochen, als unter anderem Vertreter des Bürgervereins und der Politik ihn in Augenschein nahmen, sicher noch keinen guten Eindruck gemacht habe. „Aber wir sind ja auch noch nicht fertig.“

Einen ne fiuen Anstrich hat der Tunnel bereits erhalten. Der Boden wird noch gemacht, einige Fensterscheiben erneuert, Lampen mit Bewegungsmelder angebracht. „Auch mit dem Rad kann man den Weg nutzen“, sagt Bovenkamp, „der ist breit genug.“ Schilder, die auf den neuen Weg hinweisen, seien bereits in Arbeit. In Kürze will die Stadt den „Verbindungsweg“, wie er offiziell heißt, in Augenschein nehmen. Wird er abgenommen, geht auch der Verkauf über die Bühne.

Die endgültige Lösung soll dann kommen, wenn die alte Halle — samt Tunnel — abgerissen wird. „Dafür gibt es aber noch keinen Zeitplan.“ Und auch keine Frist von der Stadt. Bovenkamp nimmt die Diskussion mit Humor. „In zwei Jahren, wenn es vielleicht soweit ist, wird es wahrscheinlich eine Bürgerinitiative ,Rettet den Tunnel’ geben.“