Kita feiert ihr 100-jähriges Bestehen

Kita feiert ihr 100-jähriges Bestehen

Die ehemalige Kinderbewahranstalt entwickelte sich über die Jahre zu einer Bildungseinrichtung. Seit der Gründung an der Wichlinghauser Schulstraße hat sich viel verändert.

Wichlinghausen. 100 Jahre ist es her, da wurde aus der Volksschule an der Wichlinghauser Schulstraße 1 erstmals ein Tagesheim für Kinder. Seitdem hat sich die Einrichtung so gewandelt, dass sie mittlerweile wieder zum Bildungsort geworden ist. An verschiedenen Spiel- und Lernstationen können sich die Kinder täglich in dem mehrstöckigen Gebäudekomplex austoben, und dabei frei entscheiden, was sie am liebsten machen möchten. Am Freitag feierte die Einrichtung ihr Jubiläum mit Erziehern, Kindern, Eltern und Ehemaligen.

Das Jahr 1832 war die Geburtsstunde des Gebäudes: Es wurde einstöckig gebaut und diente als dreiklassige Volksschule. Das heutige „Igelhaus“, wie es in der Einrichtung genannt wird, war damals noch eine Wagenhalle für Löschfahrzeuge. Es ist separat vom Hauptgebäude und beherbergt heute vor allem die „Igelgruppe“ und bietet ein paar der Spielräume — etwa eine Nähwerkstatt und einen Rollenspielraum. 1917 kam der Gebäudekomplex zum ersten Mal in Kontakt mit Kindern: Er wurde zum Tagesheim. „Früher waren es vor allem Kinder aus armen Familien, die hierher kamen. Denn die Eltern mussten arbeiten und ließen ihre Kinder in der Zeit hier betreuen“, erklärt Leiterin Daniela Ossé.

Die Kita wurde mehrmals umgebaut und modernisiert. In den Jahren 1977 bis 1979 folgte dann der umfangreichste Umbau. Währenddessen mussten die Kinder in Containern und in einer Mütterberatungsstelle untergebracht werden. Wegen eines Brandes dauerte diese Phase sogar noch länger als geplant.

Noch immer bestehen die Aufteilungen und Raumgrößen in der Kita, auch wenn sie zum Teil nicht der Norm entsprechen. „Das Haus hat seinen Charme, mit seinem Keller und dem Speicher und den Räumen, die nicht alle quadratisch sind“, meint Ossé.

Die größte Entwicklung, die die Einrichtung wohl hinter sich hat, ist die von der Zweckeinrichtung hin zum Bildungsort. „Bei uns geht es heute vor allem um Bildung. Die Kinder sollen nicht fremdbestimmt, sondern selbstständig handeln“, sagt Daniela Ossé. Dazu dient das sogenannte teil-offene Konzept. „Bei uns gehen die Kinder täglich auf Reisen zwischen den verschiedenen Spielstationen“, beschreibt Ossé den Ablauf. Denn die Kinder haben zwar ihre sogenannten Bindungsgruppen, in denen sie „zu Hause“ sind, doch können sie selbstständig entscheiden, welche Gruppe sie besuchen und in welchen Räumen sie spielen möchten. „Früher fand alles viel mehr auf Gruppenebene statt“, erzählt Daniela Ossé, die seit fünf Jahren die Einrichtung leitet. Und die Möglichkeiten sind zahlreich: Vom Kunstatelier über einen Forscherraum bis hin zur Bibliothek können sich die Kinder austoben.

Besonderen Wert legt die Einrichtung auf Bewegung. „Viele Kinder haben einen hohen Medienkonsum. Hier erleben sie oft erst richtig ihre Kindheit“, sagt Ossé. Über gleich drei Bewegungsräume verfügt die Einrichtung.

Jennifer Aksünger ist im Elternbeirat und hat einen Sohn, der in der Kita Wichlighauser Schulstraße war und eine Tochter, die sie noch besucht. „Die Kinder nehmen das, was sie hier erleben mit nach Hause“, sagt sie. Ihre Kinder seien durch das offene Konzept sehr selbstständig. „Das zeigt sich bei meinem Sohn auch in der Schule. Er hat hier schon etwas Schreiben und Rechnen gelernt“, sagt die Mutter.