Keine Förderung für Grün-Weiß

Die Stadt wollte Landeszuschüsse für den Sportverein beantragen. Daraus wird jedoch nichts.

Oberbarmen. Einen Anbau mit zusätzlichen Umkleidekabinen und Multifunktionsräume sowie einen barrierefreien Zugang zu ihrem Clubhaus oberhalb der Straße Höfen: Das hatte die Stadt dem Sportverein Grün-Weiß Wuppertal schon 2008 in Aussicht gestellt. In der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) Oberbarmen musste der sichtlich zerknirschte Sozialdezernent Stefan Kühn jetzt allerdings in Abwesenheit des Vereinsvorstands eine Absage an das Projekt erteilen.

Grund seien komplizierte Eigentumsrechte, die es unmöglich machten, Fördergelder vom Land anzunehmen. Mit einer halben Million Euro war das Projekt veranschlagt. 20 Prozent hätte Grün-Weiß aufbringen müssen, 400 000 Euro wären über die Städtebauförderung „Soziale Stadt“ gekommen. Jetzt gibt es maximal einen Zuschuss für den Bau von Kabinen.

Noch vor der Sitzung hatte der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung, Bernd Engels, im Gespräch mit der WZ erwähnt, wie wichtig für Grün-Weiß der barrierefreie Zugang zum Vereinsheim sei. Der sei derzeit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, aber auch Eltern mit Kinderwagen, aufgrund einer steilen Treppe, kaum zu bewältigen. Die Idee des Vereins, einen Aufzug zu errichten, fand Engels gut. Umso enttäuschter zeigte er sich nach dem Bericht von Stefan Kühn.

„Wir haben keine Chance, das Projekt zu realisieren“, erklärte der Sozialdezernent. Nach intensiven Gesprächen hätte die Stadt eine rechtliche Situation vorgefunden, „die juristisch nicht beherrschbar ist.“ Diese Situation erläuterte Kühn dann ausführlich: Das Grundstück am Höfen gehöre der Stadt, das Vereinsheim aber Grün-Weiß. Im Verwaltungsjargon ist der Sportclub damit ein „Dritter“. „Der Dritte hat das Gebäude mit eigenem Geld gebaut“, so Kühn. Da es aber im Grundstücksrecht nur einen Eigentümer geben könne, sei die Stadt der juristische Eigentümer, weil sie im Grundbuch stehe, der Verein aber steuerrechtlicher Eigentümer.

Würde die Stadt den Anbau neben dem Vereinsheim bauen, wäre das „ein Eingriff ins wirtschaftliche Eigentum des Vereins“, fügte Kühn hinzu. Dann dann müsse die Stadt alles übernehmen und „das würde einer Enteignung gleichkommen.“

Von einem weiteren Problem hatte Bezirksvertreter Burkhard Rücker (CDU) gehört. Demnach soll der Verein Sicherheiten in Höhe der Fördersumme, also 400 000 Euro, für die gesamte Förderdauer, also 20 Jahre, hinterlegen müssen. Zusammen mit dem Eigenanteil müsste Grün-Weiß also eine halbe Million Euro sammeln oder das Vereinsheim als Sicherheit geben. Dies bestätigte Stefan Kühn und wies darauf hin, dass das Land von der Stadt die Förderung zurückfordern würde, sollte der Förderzweck nicht eingehalten werden. Um sich diesbezüglich schadlos zu halten, müsse der Verein die Sicherheiten stellen.

Das dies völlig unrealistisch sei, betonte Klaus Sewald, der Vorsitzende von Grün-Weiß. Er hatte erst durch den Anruf der WZ am Tag nach der BV erfahren, dass die Förderung nicht kommen wird. „Eigentlich sollten wir schon an Pfingsten in Kenntnis gesetzt werden, aber das ist nicht geschehen. Ich bin auch nicht zur Sitzung eingeladen worden“, kritisiert Sewald. Überrascht war er aber nicht, dass die Förderung vom Tisch ist: „Nach den letzten Gesprächen war schon klar, dass das nicht klappt.“ Was ihn viel mehr ärgert als die Absage, ist der lange Prozess: „Die benötigten Umkleidekabinen hätten wir schon längst gebaut, wenn nicht seit 2008 die Förderung im Raum gestanden hätte.“

Eine finanzielle Hilfe von bis zu 50 Prozent der Baukosten für neue Kabinen stellte Sportamts-Leiter Norbert Knutzen noch in der BV in Aussicht. Für den Verein dürfte das nur ein schwacher Trost sein.

Mehr von Westdeutsche Zeitung