Langerfeld: Karola Krämer — Herrin der Krippen

Langerfeld: Karola Krämer — Herrin der Krippen

Langerfeld. Karola Krämer hat so viele Krippen gesammelt, dass sie in Langerfeld extra einen Lagerraum anmieten musste. Große und kleine Krippen, moderne und alte aus mindestens 30 Ländern stapeln sich dort in Kartons.

Im Laufe der Jahre hat sich die Künstlerin zur Expertin entwickelt. Die 64-Jährige interessiert sich immer auch für die Aussage der jeweiligen Exemplare. So fasziniert sie etwa eine Krippe, in der das Lendentuch von Jesus eine wichtige Rolle spielt: „Das schlängelt sich hoch um das Kreuz, das in der Krippe steht, geht über das Kreuz hinweg und löst sich im Himmel auf. Dadurch deutet die Krippe schon die Auferstehung an“, erklärt sie.

Sie findet die geschichtliche Entwicklung und die politische Motivation der jeweiligen Krippen spannend. „Mir ist wichtig, warum ein Künstler das genau so gemacht hat“, betont Karola Krämer. Ihr größter Wunsch wäre eine Dauerausstellung der Krippen. „Dann müsste ich sie nicht jedes Mal wieder aus- und einpacken.“ Dazu gäbe es viele passende Themen: „Man könnte Maria und Josef als Flüchtlinge in den Mittelpunkt stellen oder die Heiligen Drei Könige.“ Im vergangenen Jahr zeigte sie ihre Krippen unter großem Interesse in der Evangelischen Stadtkirche in Solingen. Doch dieses Jahr fehlte ihr die Energie für eine weitere Präsentation. Denn sie möchte den Besuchern immer auch ihre Schätze erklären.

Entstanden ist die Sammlung aus Zufall. Auf einer Reise mit Jugendlichen nach Venedig bekam sie mitten im Sommer ihre erste Krippe geschenkt - ein Exemplar aus Glas. Bald war ihre Begeisterung geweckt. Karola Krämer, die auch als bildende Künstlerin immer wieder neue Wege beschreitet, ging auf die Suche. Sie fragte Missionare nach Krippen aus Lateinamerika oder Afrika und suchte auf Märkten nach ausgefallenen Exemplaren.

So hat die Sammlerin nun eine reiche Vielfalt unterschiedlichster Krippen. Manche wurden einfach aus Geschäftsinteresse für die Touristen gefertigt, andere mit viel Liebe und Detailreichtum gestaltet. Einmal sind Maria und Josef Eisbären in einer weißen Schneelandschaft, ein anderes Mal tragen die Heiligen Könige Inkamützen aus Peru. Mal sind sie kitschig in bunten Farben gestaltet, mal aus schlichtem, unbehandeltem Holz geschnitzt. Straßenkünstler in Lateinamerika schaffen Krippen aus Abfallmaterial, etwa Getränkedosen, andere häkeln das heilige Paar aus Wolle. Sogar eine Krippe mit lebensgroßen Figuren besitzt Karola Krämer. Nur eine aus Kohle und eine in der japanischen Papierfaltkunst Origami fehlen ihr noch.

Für viele ältere Menschen aus Deutschland spielt die Krippe in der Tradition eine große Rolle: Jedes Jahr wuchs früher das kostbare Ensemble, das von den Kindern nicht berührt werden durfte. Sorgsam wurden die Figuren zur Weihnachtszeit aufgestellt und bestaunt. „Davon erzählen mir viele ältere Menschen“, sagt Karola Krämer. Natürlich hat sie auch solche luxuriöse Exemplare in ihrem Lager.

Diesem Brauch setzt sie ganz einfache Krippen entgegen: Die Künstlerin malt etwa Maria, Josef und Jesus auf kleine Steinchen oder gestaltet die Figuren aus alten Gabeln. So können auch Kinder mit den heiligen Figuren spielen - ohne Sorge, dass etwas kaputt geht. Sehr bewusst sucht sich Karola Krämer in der Vorweihnachtszeit aus, welche ihrer vielen Krippen dieses Jahr in ihrem Haus stehen dürfen. Der Bewunderung ihrer Besucher kann sie sich sicher sein.