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Im Mini-Webstuhl stecken zweieinhalb Jahre Handarbeit

Im Mini-Webstuhl stecken zweieinhalb Jahre Handarbeit

Heinz Drews hat die Maschine in zweieinhalb Jahren mit viel Liebe zum Detail gefertigt.

Barmen. Wenn Heinz Drews ein bestimmtes Objekt in seiner Wohnung betrachtet, leuchten seine Augen vor Freude und Stolz. Denn der 75 Jahre alte Barmer hat in zweieinhalb Jahren täglicher stundenlanger Kleinarbeit einen funktionierenden Miniatur-Seidenbandwebstuhl geschaffen. Rein aus der Erinnerung, als Reminiszenz an sein Berufsleben als gelernter Bandwirker.

„Diese Art Maschine hat mir 45 Jahre lang ohne Unterbrechung das tägliche Brot beschert“, erzählt er. „Das ist ein kleines Dankeschön.“ Und wieder strahlt er vor Glück.

Die Fertigstellung im April haben er und seine Frau Karin mit Sekt gefeiert. 1953 begann Heinz Drews seine dreijährige Lehre in der Remscheider Seidenbandweberei Hermann Eicker. Eigentlich habe er Schreiner werden wollen, sagt der Wuppertaler, „aber dafür war ich zu schmächtig“.

Nach einigen Jahren Arbeit und einer kurzen Phase der Arbeitssuche trat Drews bei seiner Ausbildungsfirma eine Stelle als technischer Leiter an. Mit 57 Jahren gründete er mit einem Kompagnon ein Unternehmen und betrieb bis 1997 Sondermaschinenbau für die Textilindustrie. „Das war eine schöne Zeit“, sagt er.

Die Erinnerung daran lässt der 75-Jährige mit seinem Mini-Bandwebstuhl wieder aufleben. Der ist etwa 65 Zentimeter breit und 45 Zentimeter hoch — die Originale messen rund viereinhalb mal drei Meter — und kann fünf mehrfarbige Bänder gleichzeitig wirken.

„Alle Teile sind original und selbst gemacht“, sagt Drews und zeigt auf hölzerne Schuss- und Auftritts-Exzenter, auf einen Kamm, gebildet aus vier Schäften in Form kleiner Holzleisten, auf Spulen und Lagerschalen. Jedes Element hat er feinfühlig bearbeitet, Zahnräder ausgesägt, Fäden auf Kettscheiben gewickelt und durch Litzen gezogen, Zugbäume mit Filz und Glaspapier bezogen, Gewinde angepasst — und immer wieder getestet.

Nur Grundmaterialien wie Rohre und Leisten besorgte der Rentner im Baumarkt. „Ich hätte auch andere Teile kaufen können, aber mich hat der Ehrgeiz gepackt.“ Tagelang habe er vor Skizzen gesessen, aus dem Gedächtnis angefertigt, und habe die exakten Verhältnisse bestimmt, damit die Elemente synchron arbeiten können. „Alles muss auf den Zehntelmillimeter genau sein. Greift nur ein Teil nicht ins andere, funktioniert die Maschine nicht.“

Manchmal sei er nachts aus dem Bett gesprungen, um eine Skizze zu vervollständigen, erzählt er belustigt. Aus seinem Bett stammt auch ein Schalter, den er für seine Maschine benötigt und kurzerhand ausgebaut hatte. Alle Arbeitsschritte hat Drews liebevoll in einem Fotoalbum dokumentiert. In einer Holzkiste bewahrt er die ersten gewebten Bänder auf: Zum Auftakt gab es eines in Schwarz-Rot-Gold.

Der 75-Jährige möchte Einblicke in die Seidenbandweber-Tradition bewahren. „Die meisten wissen nicht, wie Bandwirken funktioniert und scheuen sich, ins Bandwebermuseum oder ins Engels-Haus zu gehen, weil es Eintritt kostet.“ Sein Zuhause stehe jedem offen, der seine extra langsam laufende Maschine begutachten und etwas über dieses besondere Handwerk erfahren wolle.