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„Ich bin ein ganz normales Mädchen“

„Ich bin ein ganz normales Mädchen“

Bei dem Theaterprojekt „Close Up!“ geben junge Musliminnen auf der Bühne einen Einblick in ihren Alltag.

Barmen. Eigentlich sei Nadin Ramadan (19) aufgrund ihrer Religion und ihrer Herkunft schon vielen Vorurteilen im gesellschaftlichen Zusammenleben begegnet.

Doch besonders in den vergangenen Monaten sei das Bild der jungen muslimischen Frau immer weiter verzerrt worden. „Ich bin ein ganz normales Mädchen. Ich denke nicht anders, nur weil ich dem Islam angehöre“, sagt die 19-Jährige.

Seit September 2014 begleitet sie das Theaterprojekt „Close Up!“ im Haus der Jugend Barmen. Es richtet sich gezielt an jugendliche Mädchen muslimischen Glaubens, die auf der Bühne mit Vorurteilen aufräumen wollen.

Probleme der Identitätsfindung in einer unruhigen Welt, Glaubensinhalte, Ängste und noch mehr Hoffnung: Das sind die Themen, die das Pilot-Theaterstück „FacetTen“ des Projektes „Close Up!“ grob behandelt. Gemeinsam haben zehn Mädchen zwischen 13 und 19 Jahren unter der Anleitung von Charlotte Arndt und Dilara Baskinci eine Szenencollage entwickelt, die vor allem Eines zeigen soll — sie selbst.

Denn nicht stellvertretend für jugendliche muslimische Mädchen wollen die zehn Protagonistinnen auf die Bühne treten. Im Gegenteil: Sie brechen Stereotype auf, indem sie selbst authentisch über das sprechen, was sie bewegt.

Nadin Ramadan: „Das sind Szenen, die wir aus unserem eigenen Leben herausgegriffen haben. Besonders wichtig war mir dabei, dass der Islam aus einem natürlichen Blickwinkel betrachtet wird — so wie er ist — und nicht, wie er dargestellt wird.“

„Du wirst unterdrückt, weil du ein Kopftuch trägst“, das habe die 14-jährige Seda Cebba schon häufig gehört. Was sie davon hält, möchte sie nun unvermittelt auf die Bühne bringen.

Das ist eines der Ziele des „Close Up!“-Theaterprojektes, wie Initiatorin Dilara Baskinci erklärt: „Unsere Gesellschaft entwickelt sich in derart extreme Richtungen, dass wir vergessen, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt.“

Damit ist die Theaterpädagogin nicht allein: Vom Medienprojekt Wuppertal haben Yvonne Warsitz und Tassilo Priebisch die zehn Musliminnen bei der Aufnahme und dem Schneiden von Interviews unterstützt.

Denn „FacetTen“ ist kein klassisch dramaturgisches Stück. Vielmehr handelt es sich um 18 aufeinander aufbauende Szenen, die dennoch postmoderne und mediale Elemente enthalten.

„Das Stück ist witzig, zynisch und satirisch“, verrät Projektleiterin Dilara Baskinci. Politisch? „Anfangs war das nicht geplant“, führt sie fort und bemerkt: „Aber aufgrund der aktuellen Lage, war ein politischer Zusammenhang unvermeidbar, obwohl wir auf der Gefühlsebene bleiben.“