Hier wird Medizin von Hand hergestellt

Hier wird Medizin von Hand hergestellt

Peter Lepke ist Inhaber der Kronen Apotheke, die in diesem Jahr ihr 125-jähriges Bestehen feiert. Außer Medikamenten gibt es an der Berliner Straße auch regelmäßig Seminare und Fortbildungen.

Oberbarmen. In der Kronen Apotheke an der Berliner Straße werden Rezepturen noch nach altem Rezept zusammengerührt. In langen, hohen Regalen stehen die vielen Zutaten aufgereiht. „Apotheke und Manufaktur für individuelle Medizin“ nennt Peter Lepke seine Apotheke deshalb. Sie feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen.

Viele Jahre lang residierte die Apotheke in Langerfeld, erst an der Langerfelder Straße 136, dann 115. Vor drei Jahren dann zog sie nach Oberbarmen in moderne, barrierefreie Räume mit 1000 Quadratmetern Fläche. So hat Lepke auf zwei Etagen nicht nur genügend Platz für die Zubereitung der verschiedenen Tinkturen, Tees und Tabletten, sondern auch für Vorträge und Fortbildungen.

Peter Lepke übernahm 1974 das Geschäft. Der in Chemie promovierte Apotheker ist fünfter Apotheker in Folge in seiner ursprünglich aus Schlesien stammenden Familie. Außerdem absolvierte er viereinhalb Jahre lang eine Clowns-Ausbildung: „Da wird man kreativ und sensibel.“ So schaffte es Lepke, die Apotheke gut in moderne Zeiten zu überführen: In einem eigenen Web-Shop können Kunden Salben, Kapseln und Mischungen verschiedener Art mit einem Klick bestellen. Viele Ärzte und Heilpraktiker ordern per Mail, Fax oder Telefon die oft individuell für den Patienten zusammengestellten Medikamente.

„Wir fertigen täglich 300 Rezepturen an und verschicken rund 150 bis 200 Pakete am Tag nach ganz Europa“, erklärt Lepke. „Was bis 11 Uhr bei uns ankommt, wird noch am gleichen Tag fertiggestellt und ist am nächsten Tag beim Patienten.“ Ein bis zwei Mitarbeiter betreuen alleine die Telefonzentrale und nehmen die Bestellungen an. Insgesamt arbeiten 35 Menschen in der Apotheke.

Peter Lepke

Spezialisiert ist die Kronen Apotheke Wuppertal auf chinesische und japanische Medizin sowie Homöopathie. Bei einem Freund entdeckte Lepke vor 30 Jahren chinesische Tees und beschäftigte sich intensiv mit fernöstlicher Medizin. „Da habe ich erfahren, dass pflanzliche Medikamente auch helfen können“, sagt er mit einem Schmunzeln. Heute führt er 1300 verschiedene Kräuter — alle zertifiziert und in hoher Qualität. Die Mitarbeiter fertigen daraus Tinkturen, Tees und Salben. Auch homöopathische Globuli und Tabletten werden eigenhändig gepresst. „Wir machen aus Qualitätsgründen alles selbst“, erklärt Lepke. Dafür muss seine Apotheke gerade rezertifiziert werden — ein aufwändiger Prozess.

Für japanische Medizin (auch Kampo Medizin genannt) ist die Kronen Apotheke der einzige Hersteller in Deutschland. Regelmäßig bilden im Seminarraum der Apotheke die Mediziner Dr. Ulrich Eberhard und Dr. Heidrun Reißenweber-Hewel Kollegen in japanischer Medizin fort. Diese Woche reist Lepke auch zu einem deutsch-japanischen Kongress nach Berlin, wo seine Apotheke japanischen Ärzten vorgestellt wird.

Für die Funktionelle Proteomik, die bei chronischen Erkrankungen Hilfe anbietet, hat die Kronen Apotheke ebenfalls die Herstellung von Medikamenten übernommen. Daneben führt sie alle „normalen“ Medikamente und dient für kranke Menschen in Oberbarmen als wichtiger Anlaufpunkt. Passanten werden dort durch die wechselnden Sprüche im Schaufenster zum Nachdenken angeregt. „Der Sinn des Lebens ist das Leben“, stand dort etwa in den vergangenen Monaten, oder „Wer nicht genießt wird ungenießbar“.

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