Wuppertal: Hauptschule soll Denkmal werden

Wuppertal : Hauptschule soll Denkmal werden

Der Rheinische Verein für Denkmalpflege wünscht sich die Unterschutzstellung.

Wichlinghausen. An der Matthäusstraße könnte bald ein Denkmal stehen: Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz bittet in einem Antrag an das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, die Denkmaleigenschaft der Hauptschule zu prüfen. „Das Gebäude ist kein typischer Zweckbau“, schreibt der Vereinsvorsitzende Heiko Schnickmann im Antrag, „sondern als Ensemble künstlerisch aufgearbeitet worden.“

Der Hauptbau der Schule war 1955 errichtet worden. Es dürfte damit eines der „jüngeren“ Denkmäler in Wuppertal werden, sollte der LVR der Argumentation des Vereins folgen. „Die Hauptschule wurde als erste Schule der Nachkriegszeit komplett neu eröffnet, ohne auf Vorbauten zurückgreifen zu müssen bzw. als Anbau und Erweiterung zu dienen“, schreibt Schnickmann. „In ihr zeigt sich die typische Architektur der 1950er-Jahre.“ Diese sei geprägt gewesen durch eine Auseinandersetzung mit alten Formen und dem Entwickeln neuer Strukturen, so Schnickmann, was zum Beispiel am Treppenhaus deutlich werde. „Aus dieser Auseinandersetzung entstanden architektonische Synthesen.“

Zudem hätten sich namhafte Künstler an der Innenausstattung und an der Gestaltung des Schulhofes beteiligt. Unter anderem gibt es mehrere Brunnen, zahlreiche Wandmalereien und eine sehenswerte Sonnenuhr — allerdings seit den 1990er Jahren ohne Zeiger. Bei all diesen Elementen „zeigt sich die Verspieltheit und Zukunftshoffnung, die mit den 1950er Jahren einherging“, erläutert Schnickmann, der betont: „Der Erhalt und eine Sanierung des Gebäudes sind dringend geboten.“

Wenn das LVR-Amt als Obere Denkmalbehörde zum Ergebnis komme, dass die Hauptschule schützenswert sei, „wird sie natürlich sofort in die Denkmalliste aufgenommen“, erklärt Jochen Braun, Leiter des städtischen Bauressorts. Es gebe eine enge Kommunikation zwischen LVR und Unterer Denkmalbehörde.

Die Tage als Hauptschule sind allerdings — wenn es nach der Stadt geht — für das Gebäude, zu dem noch ein Neubau und ein Pavillon gehören, gezählt. Trotz lauter Kritik (siehe Kasten) soll der Hauptschulbetrieb von der Matthäus- an die Dieckerhoffstraße umziehen. Das Gebäude der Hauptschule Langerfeld werde derzeit „auf Herz und Nieren geprüft“, wie Schuldezernent Stefan Kühn erklärt. Der Betrieb sollte dort eigentlich auslaufen, so Kühn. Jetzt will die Stadt den Standort mit den Schülern aus Wichlinghausen wieder beleben. Nach dem Auszug an der Matthäusstraße soll dort dann ein Grundschulzentrum entstehen. Sowohl Umbau als auch Abriss und Neubau sollen geprüft, unter anderem Schulaufsicht und Architekten sollen beteiligt werden, so Kühn. Ziel sei das bestmögliche Konzept für einen Grundschulbetrieb an der Matthäusstraße. Dazu müsse sich aber nicht die Schule dem Gebäude anpassen. „Das Gebäude hat eine dienende Funktion“, betont der Dezernent.

Die mögliche Unterschutzstellung des Altbaus sei kein Hindernis, im Gegenteil: „Denkmal plus Pädagogik kann gut funktionieren“, verweist Kühn auf das Beispiel Laurentiusschule. Das Thema Abriss wäre dann allerdings vom Tisch.

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