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Früher Golfhotel, jetzt Klinik: Juliana hat die ersten Patienten

Früher Golfhotel, jetzt Klinik: Juliana hat die ersten Patienten

Das frühere Golfhotel Juliana hat nach einer Millionen-Investition als Dr. Becker Klinik Juliana neu eröffnet.

Mollenkotten. Dort, wo früher Hochzeiten gefeiert wurden, ganze Fußballmannschaften ihr Quartier aufschlugen und Kongresse stattfanden, werden jetzt Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt: Das Golfhotel Juliana ist Geschichte. Am Mittwoch feierte die Dr. Becker Klinik Juliana in den Räumlichkeiten am Mollenkotten offiziell die Eröffnung.

Und zwar ganz bewusst mitten im Ballungsraum. Denn die Patienten kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Wobei sich laut Geschäftsführerin Ursula Becker der Standort Wuppertal gegen viele andere Möglichkeiten in NRW durchsetzte.

Ein großes Plus neben der guten Lage: Die Chance, elf Räume für Gruppengespräche mit zwölf bis 15 Personen einzurichten. Denn gesprochen wird viel während der in der Regel vier- oder sechswöchigen Aufenthalte in der Klinik. Dazu kommen unter anderem Sportangebote, Wassergymnasitik, Gestaltungs-, Physio- oder Ergotherapie.

Nach dem letzten Ausbau hat die Klinik Platz für 120 Patienten, derzeit sind es rund 60. Keine Menschen mit Schizophrenie oder psychischen Störungen, sondern solche, die aus einer Krise kommen: Depression, Burn-out, Trauer, Angst — das sind die Phänomene. Bei Menschen, die es aktuell nicht schaffen, zu arbeiten, das bald aber wieder tun sollen. Deshalb ist der Kostenträger auch meistens die Deutsche Rentenversicherung. So wie zum Beispiel bei einer 21 Jahre alten Postbotin, die den sexuellen Belästigungen und dem Mobbing nicht mehr gewachsen war.

Wie Chefärztin Iman Farhat und Verwaltungsdirektorin Gabriele Mietzner-Liebmann berichten, sind die Patienten meistens Menschen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren, haben psychisch ungesund gelebt, nehmen kaum noch Aktivitäten neben der Arbeit an, pflegen keine sozialen Kontakte, sind nach der Arbeit zu eigentlich nichts mehr in der Lage und geben sich allenfalls dem Fernseh-Programm oder dem Internet hin. Ihre Probleme teilen sie in keinem Kaffeeklatsch mit. Auch ein Grund dafür, dass es TV in der Klinik ausschließlich in einem Gemeinschaftsraum, Internet gar nicht gibt. Untergebracht sind die Patienten in Ein-Bett-Zimmern.

Und wer sich öffnet, der geht meistens in einem besseren Zustand als er gekommen ist, so Farhat und Mietzner-Liebmann. Wobei klar ist: Die Klinik kann nicht heilen, sie kann aber Verständnis für die Krankheit wecken und Instrumente an die Hand geben, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Inklusive des Kaufpreises hat die Klinik bislang 8,5 Millionen Euro investiert, Ende kommenden Jahres, wenn auch Haus 4 umgebaut ist, werden es 11,6 Millionen Euro sein. Aktuell beschäftigt die Klinikgruppe 35 Mitarbeiter in Wuppertal, perspektivisch können es bis zu 80 Arbeitsplätze sein.