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Frielinghausen: Kleine Siedlung, große Geschichten

Frielinghausen: Kleine Siedlung, große Geschichten

Peter Hartwig kennt die Döneken des Orts: Johannes Rau feierte mit dem Dorf und Anwohner bauten ihre Schule selbst.

Frielinghausen. Das Feuerwehrhaus im 160-Seelen-Örtchen Frielinghausen ist äußerlich unauffällig. Aber wenn dieses kleine Häuschen sprechen könnte, würde es sicherlich jedem Passanten stolz berichten, dass es einst eine einmalige Eröffnung gefeiert hat. Anfang der 80er Jahre weihte Johannes Rau, damals NRW-Ministerpräsident später Bundespräsident, den Bau höchstpersönlich ein. Quasi ein Staatsakt in Frielinghausen.

Am Rande der Großstadt

Wie es dazu kommen konnte, berichtet Peter Hartwig, der direkt neben dem berüchtigten Feuerwehrhaus wohnt, gerne. „Unsere Freiwillige Feuerwehr hat Johannes Rau in seinem Elberfelder Stammlokal Karpathen getroffen“, so Hartwig, ebenfalls Sozialdemokrat. „Mit Rau ins Gespräch zu kommen, war ja nicht schwer und bei dem Anlass hat er dann versprochen, das Feuerwehrhaus einzuweihen.“ Und wie Rau so war, habe er sein Wort auch wirklich gehalten. Klar, eine Sensation für Frielinghausen, wo Besucher mit Personenschutz selten auf eine Bratwurst vorbeischauen.

Der Alltag in Frielinghausen sieht eigentlich anders aus. Ruhig, naturverbunden, nachbarschaftlich. Augenzwinkernd zeigt Hartwig auf die zweigeschossigen Eigentumswohnungen, die gegenüber seines Hauses stehen: „Die nenne ich immer die Hochhäuser.“

Wie es in Wuppertals kleinen Siedlungen so üblich ist, sind auch in Frielinghausen alle Gaststätten, die es einmal gegeben hat, verschwunden. Aber selbst als es noch „zwei Kneipen und einen Laden“ — wie Peter Hartwig noch weiß — im Dorf gab, hatten beide Wirte noch hauptsächlich einen anderen Beruf und öffnet daher nur abends. Bei „Albert von Bechen“ gab es nicht nur ein kühles Bier, der Schreiner fertigte dem Kunden auf Nachfrage auch noch einen Sarg. Dort soll es auch früher immer Arbeiterversammlungen gegeben haben.

Die Arbeiter kamen damals „von unten“ nach Frielinghausen hoch. „Unten“ ist die Wupper, wo weitere kleine Ortschaften wie etwa Wilhelmsthal oder Krebsöge liegen. Beides gehört schon zu Radevormwald. Auch der Remscheider Stadtteil Lennep ist nur einen kurzen Fußweg durch schöne Felderlandschaft entfernt. Dass Frielinghaus schon die Remscheider Vorwahl hat, finden die Frielinghauser gut, denn sie genießen auch das bestens ausgebaute Datennetz der bergischen Nachbarn, während zum Beispiel das nördliche Spieckern Wuppertal zugeordnet ist. Die Schadenfreude des ehemaligen Sportausschuss-Vorsitzenden blitzt durch, als er sagt: „Da müssen sie noch trommeln.“

Dass die Frielinghauser so Manches aus eigener Kraft bewerkstelligen, zeigt sich an der Kita des Orts, die dank einer Elterninitiative nicht geschlossen werden musste, und an dem alten Schulhaus, der Siedlung, das 1852 von den Bürgern eigenhändig erbaut wurde. Vor zwei Jahren verkaufte die Stadt das Haus, in dem bis 1952 gelernt wurde. „Das ist die schönste Wohnlage in Frielinghausen“, findet Peter Hartwig.

Wobei er selbst auch einen exzellenten Blick in die staatlich geschützte Natur hat. Netterweise durfte er für seinen Garten ein Teil des Nachbarschaftsgrundstück mitbenutzen. Selbstverständlich kennt man sich in Frielinghausen beim Vornamen, der Hausarzt schaut auch mal auf Zuruf vorbei und man vertraut dem Nachbarn gerne den Schlüssel fürs eigene Haus an. Peter Hartwig setzt eine wohliges Lächeln auf: „Das gehört hier alles zum Programm.“