Familiär: Wo die Nachbarn noch Zeit füreinander haben

Familiär: Wo die Nachbarn noch Zeit füreinander haben

Beim Stadtteilfest ist es Tradition, sich ausgiebig auszutauschen.

Wichlinghausen. Der Mann ist groß. Für ihn ist es ein Leichtes, mit der Hand die Blätter der Bäume auf dem Wichlinghauser Markt zu berühren - und das in mindestens vier Metern Höhe. Mal wankt er bedrohlich nach vorne, mal nach hinten, aber ihm gelingt es, sich auf den Beinen zu halten.

Zur Klärung: Nein, es handelt sich dabei nicht um einen Riesen, sondern um einen Stelzenläufer. Er gehört der Düsseldorfer Gruppe Togovio an. Auf Einladung der "Togo-Initative" aus Wuppertal traten das erste Mal im Bergischen auf.

Und das auf einem Klassiker der Feste: dem 32. Wichlinghauser Stadtteilfest. Es ist eine familiäre Atmosphäre, die das Fest ausmacht. "Nachbarn, Freunde und Bekannte treffen sich einfach und haben genug Zeit, sich auszutauschen. Das ist Tradition", sagt Dieter Mahler, Vorsitzender des Nordstädter Bürgervereins Barmen. Es sei der "Multi-Kulti-Charakter des Stadtteils, den die Veranstalter auch auf dem Fest lebendig lassen wollen. Das gefällt.

Neben Tanz und Gesang (Schüler der Grundschulen Friedhof-und und Liegnitzerstraße) lernen die Festgäste vor allem die Kultur fremder Länder über deren traditionelle Speisen kennen. So hebt Ali Tchassanti, Vorsitzender der Initative "Lächeln für Togo", die Haube eines Rechauds an einem Essstand. Darin hält er Spezialitäten aus dem Togo warm: "Watchi" ist der Namen eines Gerichts aus Bohnen und Reis, das mit einer würzigen Soße verschiedener Gemüse. Daneben liegen sogenannte "Botokoin" - "Berliner Ballen aus Togo", klärt Tchassanti auf.

Gegenüber bieten Rauan Abdul Fattah und Inas Musa den Gästen Safrankuchen, mit Honig glasierte Teigtaschen und Minztee. Die jungen Frauen gehören dem Verein Islam und Frieden der Moschee Assalam Am Diek, deren Mitglieder das erste Mal am Fest teilnehmen. Ihnen ist es ein Anliegen, Aufklärungsarbeit zum Thema Islam zu leisten, damit das Miteinander leichter wird. "Es ist das Familiäre, Originelle, das das Fest, aber auch das Viertel ausmacht. Klein, fein, Wuppertal eben", sagt die Musa.

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