Eltern fürchten in Wuppertal um Sicherheit ihrer Kinder

Schulweg : Eltern fürchten in Wuppertal um Sicherheit ihrer Kinder

Der Weg vom Bergischen Plateau bis zur Grundschule Liegnitzer Straße biete keinen ausreichenden Gehweg. Die Stadt sieht bislang keinen Handlungsbedarf.

. „Warum muss immer erst etwas passieren, ehe entsprechende Gegenmaßnahmen erfolgen?“, fragt WZ-Leserin Linda Haase und meint damit die Schulweg-Situation vom Bergischen Plateau in Wichlinghausen aus zur Grundschule Liegnitzer Straße. Auf dem Weg zu ihrer Schule müssen die Kinder ein längeres Stück die Breslauer Straße entlang gehen, um dann über die Grafenstraße an ihr Ziel zu gelangen. Die Breslauer Straße und deren Überquerung in die Liegnitzer Straße stellt allerdings ein großes Problem dar, weil dort nämlich nur auf einer Seite ein schmaler Gehsteig existiert. „Der ist ungefähr so breit wie die Tornister der Kinder“, meint Mutter Olga Stanouli, die ihren sieben Jahre alten Sohn Alexander mit dem Auto bis zur Schule bringt. „Ich verstehe Eltern nicht, die ihr Kind allein über die Breslauer Straße gehen lassen“, sagt sie und schüttelt den Kopf.

Linda Haase hat ihre beiden Töchter Isabel (7) und Sophie (9) an der Hand und weist auf die meist in hohem Tempo (50 km/h sind erlaubt, d. Red.) die Breslauer Straße entlang fahrenden Autos, die zwar durch Warnhinweise per Verkehrsschilder und Piktogramme auf der Straße auf Kinder auf dem Schulweg aufmerksam gemacht werden, ihre Geschwindigkeit aber nur selten reduzieren oder anhalten. „Dazu kommt noch, dass eine Seite der Breslauer Straße oft durch Lastwagen zugeparkt ist, so dass die Sicht der Kinder stark eingeschränkt ist, zumal Kinder im Grundschulalter die Verkehrssituation ohnehin anders wahrnehmen als Erwachsene“, weiß Linda Haase. „Als das Bergische Plateau erschlossen und ein Neubaugebiet erschaffen wurde, da hat man mit Kindergärten und Schulen in der Nähe geworben. Nun sind tatsächlich viele Familien mit Kindern hierhin gezogen, aber von einem sicheren Schulweg für die jüngsten Kinder kann keine Rede sein. Wie uns der für die Verkehrsprävention hier bei uns zuständige Polizist Holger Brunner gesagt hat, sind es rund 80 Kinder, die zur Grundschule Liegnitzer Straße gehen. Da muss etwas geschehen.“

Die Eltern fordern einen Zebrastreifen und Tempo 30

Im Namen der betroffenen Eltern und deren Kinder fordert Linda Haase eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 im Gefährdungsraum und die Anlage eines Zebrastreifens an der Ecke Grafenstraße.

Mit diesem Wunsch hat sich die besorgte Mutter im Namen der Eltern auch schon an die Stadt Wuppertal gewandt, dort aber eine abschlägige Antwort erhalten. „In dieser Sache habe es bereits 2015 eine Entscheidung der Stadt gegeben, und seitdem habe sich an der Sachlage nichts geändert. Es handele sich bei der Breslauer Straße um eine Industriestraße, daher sei Tempo 30 dort nicht angebracht. Und für einen Zebrastreifen fehle die Notwendigkeit. Schließlich sei bisher noch nichts beziehungsweise nicht genug passiert“, schildert Linda Haase die Sicht des Verkehrsressorts auf die ihrer Ansicht nach prekäre Situation. „Ich finde, dass Investitionen in die Sicherheit unserer Kinder wichtiger sind als kostspielige Planungen für Prestige-Projekte wie eine Seilbahn.“

Die Stadt, erneut um eine Stellungnahme gebeten, führte aus, dass das Anlegen eines Fußgängerüberweges an enge Vorgaben der Straßenverkehrsordnung gekoppelt ist. So sei ein Fußgängeraufkommen von 50 bis 100 Personen pro Stunde und ein Fahrzeugaufkommen von 200 bis 300 pro Stunde erforderlich. „Beide Zahlen werden auf der Breslauer Straße nicht erreicht“ heißt es im Statement der Stadt. Bezüglich einer Reduzierung des Tempolimits auf 30 km/h habe die Straßenverkehrsbehörde keine Gefährdungen erkannt. Laut Unfallstatistik sei die Breslauer Straße ein „unauffälliger“ Bereich. Außerdem habe man nach einer Entscheidung der Bezirksvertretung Oberbarmen an der Breslauer Straße/ Ecke Grafenstraße die Sichtverhältnisse verbessert und ein absolutes Halteverbot eingerichtet.

Zudem verspricht die Stadt Wuppertal gemäß des Schreibens von Stadtsprecherin Martina Eckermann die Verkehrssituation in der nächsten Woche mit der Polizei nochmals anzusehen. Allerdings wird diesbezüglich keine große Hoffnung verbreitet. „Weitere Verbesserungsmöglichkeiten sind mit Stand von heute nicht absehbar.“

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