Eltern erkämpfen eine neue Kita auf dem Scharpenacken

Eltern erkämpfen eine neue Kita auf dem Scharpenacken

Wie zwei Familien eine neue Tagesstätte für 1,6 Millionen Euro auf den Weg gebracht haben.

Lichtenplatz. Eine Vision ist wahr geworden. Zwei befreundete Familien wollen seit drei Jahren eine neue Kita mit U-3-Betreuung in ihrer Nachbarschaft gründen. Nun wurde der Bauantrag bewilligt — und diese Woche ist Spatenstich an der Harald-Leipnitz-Straße am Scharpenacken, mitten im Neubaugebiet. „Wir sind stolz, den langen Atem für unsere Idee gehabt zu haben“, sagt Sabine Röth, eine der Gründerinnen. Sie ist Montessori-Pädagogin und künftige Kita-Leiterin.

Ihren Enthusiasmus teilt sie mit Mutter und Psychologin Yvonne Matej, die mit ihrem Mann Paul — er ist in der Immobilienbranche tätig — an dem Projekt arbeitet. Dass sich die drei auf der Zielgeraden befinden, zeigt auch die Anerkennung ihres eigens gegründeten Vereins „Freunde vom Toelleturm“ als Träger der freien Jugendhilfe. Zudem haben die Initiatoren die gemeinnützige Gesellschaft „Kinderwelten“ als Kita-Betreiber gegründet.

Auch wenn das Projekt aus einer Initiative betroffener Eltern hervorging, gehe es ihnen um den langfristigen Betrieb eines neuen Kita-Standortes und nicht um ihre privaten Interessen — das betonen Matej und Roth. „Unsere Idee ist entstanden, weil wir auf den Südhöhen in puncto Betreuung eine schlechte fußläufige Versorgung haben“, sagt Yvonne Matej. Gerade im Neubaugebiet gebe es viele junge Familien, die ortsnahe Betreuung bräuchten. Die Stadt konzentriere sich allerdings auf die Stadtzentren.

Die Anteilnahme von außen an dem Projekt sei groß, sagt Röth: „Die Kooperation mit der Stadt ist sehr eng und wir sind sehr glücklich über das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde.“

1,6 Millionen Euro kostet das Projekt insgesamt — finanziert durch einen Investor und öffentliche Fördermittel für die U3-Betreuung. Noch 150 000 Euro fehlen jedoch für die Einrichtung der Betreuungsräume für die über drei Jahre alten Kinder — also für Möbel und Spielzeug. Kinderwelten hofft nun auf weitere Spenden, um auch die letzte Finanz-Lücke schließen zu können.

Das Besondere an der neuen Kita ist die Montessori-Pädagogik. Der Schwerpunkt liegt auf gesunder Ernährung sowie kindgerechter Kunst- und Musikförderung. Zudem grenzt die Kita an das Landschaftsschutzgebiet, so dass die Kinder direkt vor der Tür auf Entdeckungsreisen in die Natur gehen können.

Insgesamt geht es Sabine Röth in der neuen Tagesstätte um frühkindliche Bildung ohne Druck: „Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht — das gilt auch für Kinder.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung