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Einzelhandel: Aufatmen am Barmer Bahnhof nach der Bahnsperrung

Einzelhandel: Aufatmen am Barmer Bahnhof nach der Bahnsperrung

Die Einzelhändler im Barmer Bahnhof hatten während der Sperrung in den Sommerferien mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Nach Ende der Bauarbeiten erholt sich die Situation wieder.

Barmen. „Die Ersten saßen schon um 5 Uhr im Dunkeln draußen und warteten, dass wir aufmachen“, erinnert sich Thomas Leipoldt an den Mittwoch, als ab 4 Uhr endlich wieder die Züge fuhren und auch in der Barmer Bahnhofsbuchhandlung wieder der normale Publikumsverkehr herrschte. „Das war wie bei einem Familientreffen. Die Berufspendler, fast alle Stammgäste, mussten nicht mehr auf den Schienenersatzverkehr ausweichen, sondern konnten ab Bahnhof Barmen wieder ihre gewohnten Züge benutzen und vorher bei uns unsere selbst gebackenen und belegten Brötchen verzehren, Zeitung lesen und ihren Kaffee trinken“, schildert Leipoldt, der mit zwei Mitarbeitern schon seit 4.30 Uhr vor Ort war und alles vorbereitet hatte, die frühen Morgenstunden des 30. August.

Dass seine Kundschaft natürlich auch jetzt weit weniger Zeitaufwand betreiben muss, um zur Arbeit zu kommen, erhöhte die Wiedersehensfreude natürlich zusätzlich. Sechseinhalb harte Wochen hatten hinter dem Inhaber und seiner Crew gelegen, in denen es nicht einmal halb so oft in der Kasse geklingelt und der Umsatzrückgang von rund 70 Prozent existenzbedrohende Ausmaße angenommen hatte. „Ich habe unsere Kundschaft zum Teil mit Sonderangeboten bei Laune gehalten und natürlich auch meine Wareneinkäufe reduziert“, erklärt der Inhaber der Bahnhofsbuchhandlung, die täglich von 5.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet hat.

„Außerdem habe ich den Verlagen meine Situation geschildert und bin da auf viel Verständnis gestoßen“, zeigt sich Leipoldt erleichtert, bekennt aber, dass er viel Eigenkapital einsetzen musste, um über die Runden zu kommen und so keinen seiner acht zum Teil langjährigen Mitarbeiter entlassen musste. „Im Gegenteil, wir haben während dieser Zeit sogar noch eine Auszubildende eingestellt.“

Auch Michael Augst, der nebenan den „Speisewagen“, einen Imbiss betreibt, freute sich, dass ihm seine Kundschaft treu geblieben ist. Augst hat von 11 bis 21 Uhr geöffnet und während der anderthalbmonatigen Durststrecke seinen Wareneinkauf dem um 50 Prozent gesunkenen Umsatz angepasst. Der Sohn des bekannten, vor Jahren verstorbenen Wuppertaler Boxers Peter Augst (Deutscher Juniorenmeister im Fliegengewicht 1961 d.Red) rekrutiert seine Gäste vornehmlich in den Bahnreisenden, die am Nachmittag nach Feierabend bei ihm Bratwurst, Schnitzel oder Salat verzehren, wenn sie auf dem Heimweg bei ihm Station machen. Er führt den Betrieb alleine und hat die Zeit der Bahnsperrung für einen zweiwöchigen Urlaub genutzt. „Ich hoffe, dass sich jetzt allmählich wieder der gewohnte Geschäftsbetrieb einpendelt“, ist der Klein-Gastronom zuversichtlich, dass die sechseinhalb Wochen im Sommer 2017 bald nur noch eine trübe Erinnerung sind.