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Ein kultureller Glanzpunkt: 25 Jahre Immanuelskirche

Ein kultureller Glanzpunkt: 25 Jahre Immanuelskirche

Mit einem Musikprogramm aus dem 20. Jahrhundert bewies der Trägerverein einmal mehr, dass er nicht rückwärts gewandt ist.

Barmen. Kaum jemand wird ernsthaft behaupten, dass es Deutschland im internationalen Vergleich besonders schlecht geht. Ausgeprägt ist jedoch die Neigung, besonders eindringlich zu jammern. In solchem Klima wirkt beherztes Handeln besonders erfrischend. Der Trägerverein Immanuelskirche öffnete am Freitag mit einem unbeschwerten Fest zu seinem 25-jährigen Bestehen den Blick auf die Zuversicht, die der Stadt leider abhanden kommt.

Geboren ist auch dieser Verein aus einer Atmosphäre des Klagens heraus. Zu Beginn der 1980er Jahre führten Sparmaßnahmen zu einer Gemeindereform. Barmen-Gemarke benötigte fortan nur noch eine der beiden reformierten Kirchen, und so schien für die neogotische Immanuelskirche die letzte Stunde geschlagen zu haben.

Trotz des bestehenden Denkmalschutzes wurde der Ruf nach Abriss laut. 1983 aber gründete sich der Trägerverein, der das Gebäude übernahm und dessen Erhalt sicherte, indem er ein Konzept für die Umwidmung der Kirche präsentierte.

Beim Vereinsjubiläum am Freitag erinnerte der Vorsitzende Till Söling daran, dass ein solcher Weg damals zum ersten Mal in Deutschland beschritten wurde. Doch bot es sich an, die Kirche mit ihrer hervorragenden Akustik, zugleich Heimatstatt der Kantorei Barmen-Gemarke, in ein Kulturzentrum mit Schwerpunkt auf der Musik zu verwandeln. Der Denkmalschutz sei dabei oftmals "wie ein Mühlstein am Hals" gewesen, habe aber auch bewirkt, dass finanzielle Mittel flossen, vor allem im Zuge der Regionale 2006.

Mit einem frischen musikalischen Rahmenprogramm voller Klänge aus dem 20. Jahrhundert demonstrierte der Trägerverein, dass dieser kulturelle Glanzpunkt der Stadt in keiner Weise rückwärts gewandt ist. Wer auf Symbole achtete, kam Barmer Querdenkern gleich zwei Mal auf die Spur. Als nämlich die Kirche gebaut wurde, wichen die Planer von den Traditionen ab und richteten den Eingang nicht nach Westen aus, sondern wandten ihn im Süden der Wupper zu.

Und bei heutigen Konzerten blickt die Gemeinde der Zuhörer nicht mehr wie beim Gottesdienst auf den Chor, sondern in Richtung der Schuke-Orgel über dem Portal. Auf ihr spielte Wolfgang Kläsener ein besonderes Geburtstagslied: Oliver Messiaens "Gott sei mit uns", was im Hebräischen Immanuel heißt. Doch nicht Kläsener als Leiter der Kantorei erntete an diesem Abend den meisten Beifall, sondern Wolfgang Fehl, dessen Einsatz für den Erhalt der Immanuelskirche Vielen ein Beispiel sein darf.