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Ein Drehgestell aus Schwaben für den Barmer Bergbauverein

Vereinsleben : Ein Drehgestell aus Schwaben für den Verein Barmer Bergbahn

Die Mitglieder übernehmen ein Teil aus Stuttgart, das der Wuppertaler Zahnradbahn gleicht.

Das Restaurant „Zur alten Bergbahn“ war ein idealer Treffpunkt – für die rund 50 Personen, die sich hier im Oktober 2009 zusammensetzten. Denn das gemeinsame Interesse galt der „alten Bergbahn“. Genauer: der elektrischen und zweigleisigen Zahnradbahn, die 1894 in Barmen eröffnet wurde. Ende der 1950er-Jahre war es damit aber auch schon vorbei – auf Beschluss des damaligen Stadtrates und gegen den Widerstand vieler Wuppertaler Bürger.

Verwirklichung des Wiederaufbaus als großes Ziel

Ein halbes Jahrhundert nach der Stilllegung gründete sich im Restaurant der Verein Barmer Bergbahn e.V. Nostalgische Erinnerungen spielten dabei keine Rolle. Die Initiatoren waren zu jung, um das Verkehrsmittel persönlich noch erlebt zu haben. Stattdessen, erklärt Vorsitzender Jürgen Eidam, sei es ihnen um ein Kapitel der Technik- und Kulturgeschichte ihrer Stadt gegangen. Praktisches Ziel war von Anfang an auch „die Verwirklichung des Wiederaufbaus und des Betriebes“ der Bahnlinie bis zum Toelleturm.

Eine neue Bergbahn also? Auf Initiative des Vereins nahm sich die Wissenschaft der Sache an. An der Uni Wuppertal erarbeitete Daniel Buth ab 2015 eine „Planungsstudie zur Wiederbelebung der Barmer Bergbahn“. In seiner Masterarbeit schätzt der Verkehrswirtschaftsingenieur die Kosten einer Rekonstruktion auf 45 Millionen Euro.

2015 war auch das Jahr, in dem das Thema aus einem ganz anderen Grund unerwartete Aktualität bekam. Ein Anwohner des Zooviertels ging an die Öffentlichkeit und berichtete, dass der letzte Wagenkasten der Zahnradbahn – jahrelang auf dem Spielplatz im Zoo aufgestellt – um 1962 beim damaligen Neubau der Waldschänke zur Stabilisierung eines künstlichen Hangs vergraben worden sei.

Der Bergbahnverein hat einiges unternommen, um die Angaben des Zeitzeugen zu belegen. Ende 2015 untersuchte ein geophysikalisches Institut das entsprechende Zoogelände. 2018 folgte eine Probebohrung mit wissenschaftlicher Auswertung durch das Technische Hilfswerk. „Die Untersuchungsergebnisse lassen jeweils den Schluss zu, dass sich wohl ein Objekt in der Größe des Wagenkastens im Boden befindet“, sagt Eidam.

Endgültige Gewissheit kann aus seiner Sicht nur eine „Probeschachtung“ – mindestens auf einer Fläche von zwei mal vier Metern – bringen: „Wenn wir da Sicherheit hätten, könnten wir ganz anders damit umgehen.“ Bislang gebe es aber noch keine Signale, das Vorhaben zu unterstützen – weder von Seiten der Zooleitung noch von den zuständigen Stellen in Politik und Verwaltung. Dass der vergrabene Bergbahnwagen auch über die Region Interesse geweckt hat, zeigt der Austausch des Vereins mit dem Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn. Doch nach zwei Orts­terminen (2019 und 2020) gibt es auch hier noch keine neuen Entwicklungen.

Gemischte Bilanz
nach zwölf Jahren Vereinsarbeit

Ein Grund mehr, warum der Vereinsvorsitzende nach zwölf Jahren Vereinsarbeit eine gemischte Bilanz zieht. Positiv verbuchen lässt sich auf jeden Fall die Aussicht, dass der Berg­bahnverein im kommenden Jahr ein ausgemustertes Drehgestell der Stuttgarter Zahnradbahn übernimmt. Wie ähnlich sich die beiden Zahnradbahnen sind, zeigt das Berg­bahndenkmal in den Barmer Anlagen: Seit 1984 steht hier ein baugleiches Teil aus Stuttgart – eine pragmatische Lösung, da in Wuppertal alle technischen Originalteile verschrottet wurden. Die Kombination des Drehgestells mit dem noch zu bergenden und zu rekonstruierenden Wagenkasten aus dem Zoogelände, hofft Eidam, könne ein „verkehrshistorisches Denkmal“ entstehen lassen. Schließlich habe die Barmer Bergbahn als erste elektrische Zahnradbahn Deutschlands nicht weniger als die Schwebebahn Geschichte geschrieben.