„Die Unterführung wird nicht schöner“

„Die Unterführung wird nicht schöner“

Dunkel und kalt zeigt sich der Fußgängertunnel am Loher Kreuz. Viele Passanten wünschen sich eine Ampel als Alternative. Und doch hat der Zweckbau aus den 60er Jahren auch seinen Schmuck.

Unterbarmen. Die alte Unterführung am Loher Kreuz — da müssen Fußgänger und Radfahrer buchstäblich durch. Denn die Ampeln an der Kreuzung von Friedrich-Engels-Allee und Loher Straße sind für Autos da. Also geht man eine der Treppen hinunter, durchquert den Tunnel unterhalb der Allee und steigt auf der anderen Seite wieder hinauf.

Erika Bartsch, Inhaberin eines Blumenladens über den Fußgängertunnel am Loher Kreuz

Es gibt eine Alternative zur Unterführung. Aber die ist lebensgefährlich. Dennoch sieht man in der Woche etliche Schüler, die quer über die vielbefahrene Allee laufen. Man ist schon froh, wenn die Kinder und Jugendlichen kurz auf dem Grünstreifen in der Straßenmitte - dort verlief bis 1987 die Straßenbahn-Trasse — verschnaufen. Ein kurzer Blick nach rechts und nach links und weiter geht ihr Sprint.

Ein zügiges Tempo drauf haben auch die meisten Passanten, die lieber die Unterführung nehmen. Was sicher am lichtschluckenden Tunnel liegt. Die Sonne kann tagsüber noch so kräftig scheinen — unten bleibt es dunkel und kühl. Dabei kann der Passant, der etwas Zeit mitbringt, durchaus etwas entdecken. Denn selbst der 1960er Jahre-Zweckbau hat seinen Schmuck. Der ist im Laufe der Jahrzehnte allerdings verblasst.

Los geht es bei den Treppen, die hinab zum Tunnel führen. Schlichte Treppengitter gibt es anderswo. Diese hier sind mit Metall-Würfeln verziert, dessen Spitzen wiederum in Metallringen auslaufen. Man weiß nicht, was einem der unbekannte Kunsthandwerker damit sagen will. Ein Hingucker ist es auf jeden Fall. Das ging wohl auch den Sprayern so, die sich mit farbigen Linien und Buchstabenkürzeln auf den Würfeln verewigt haben.

Zwischen den Treppenaufgängen entdeckt man Wandkunst, bei der einem unwillkürlich das Wort „Lebkuchenhaus“ einfällt. Reihen mit braunen Steinplatten tun sich vor einem auf. Viele von ihnen sind mit je vier Glasbrocken geschmückt. Anders als Hänsel und Gretel im Märchen möchte man nicht hineinbeißen. Aber es ist nett anzuschauen.

Außerdem gibt es noch Wandflächen mit quadratischen Glasbausteinen. Einige sind mit grüner Farbe bemalt. Im düsteren Tunnel stechen sie einem ins Auge. Vielleicht dient die bunte Tünche aber auch nur dazu, kaputte Glasquadrate zu verdecken.

Gitterschmuck und „Lebkuchen“-Steine — solche Verschönerungsversuche spielen für Passanten und Anwohner keine Rolle. Auf dem Weg zur Schwebebahn oder zur Bushaltestelle nutzen sie die Unterführung, sagt eine Frau, die man im Kiosk an der Kreuzung trifft. Mehr oder weniger freiwillig. „Aus geruchstechnischen Gründen gehe ich da nicht so gern her.“

Heinz-Willi Riedesel, Geschäftsführer des Unterbarmer Bürgervereins

Kioskinhaberin Annette Perlich ist froh, dass sie den Weg zur Arbeit mit dem Auto machen kann. Statt der Unterführung, sagt sie, solle es einen Zebrastreifen oder eine Fußgängerampel am Loher Kreuz geben. Für eine „oberirdische Querung“ ist auch Heinz-Willi Riedesel. Der Geschäftsführer des Unterbarmer Bürgervereins nennt die Unterführung „mein Sorgenkind“. Die Situation sei der Stadt bekannt. Entsprechend werde sich darum gekümmert, dass die Abendbeleuchtung funktioniere und das Wasser nach Regenfällen abfließe. Zweimal pro Woche werde die Unterführung gereinigt. „Wir sind da ständig am Ball“, versichert Riedesel. „Wenn irgendwas ist, muss ich mich nur melden.“ Allerdings: „Schöner wird die Unterführung nicht mehr werden.“

Erika Bartsch, die an der Friedrich-Engels-Allee einen Blumenladen betreibt, nimmt beim Thema Unterführung kein Blatt vor den Mund: „Sogar mein Hund findet das gruselig. Der geht da nicht freiwillig durch.“ Noch schlimmer findet sie es, wenn ältere Fußgänger — wie schon mehrmals geschehen — beim riskanten Überqueren der Kreuzung angefahren werden.