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Die singenden Turner gibt es seit 100 Jahren

Die singenden Turner gibt es seit 100 Jahren

Die „Turnersänger“ des Oberbarmer TB feiern ihr rundes Jubiläum mit einem Konzert.

Oberbarmen. Mit elegantem „Vatermörder“ - dem steifen Stehkragen unter schwarzem Jackett - mit Zwirbel- oder Spitzbärten und weißer Rose im Knopfloch blicken sie 1912 ernst in die Kamera: Ein Jahr nach der Gründung der Gesangs-Abteilung im Oberbarmer Turnerbund (OTB) haben die „Turnersänger“ offensichtlich ein wichtiges Fest musikalisch gestaltet. 1913 zählte der Chor 26 Mitglieder, 1921, zum zehnjährigen Bestehen, bereits 40 Sänger.

100 Jahre gibt es den Männerchor nun — Grund genug, sich zu erinnern und zu feiern. Günter Nußbaum präsentiert ein altes Bild: „Auf diesem Foto von 1958 stehe ich in der Mitte der oberen Reihe und bin gerade 21 Jahre alt. Vorher durfte ich nicht in den Chor. Mein Vater fürchtete, dass ich bei manchen Witzen, die erzählt wurden, Schaden nehmen könnte.“

Nußbaum ist heute 75 Jahre alt, Abteilungsleiter, Geschäftsführer, Schriftführer und manchmal auch Dirigent in Personalunion. Und er ist zusammen mit Heinz Jürgen Schmidt der Chronist des Chores: „Früher kamen die Sänger oft zu uns, wenn sie die turnerische Laufbahn aufgaben. In guten Zeiten hatten wir über 60 Sänger.“

Nußbaum, Zahntechniker-Meister im Ruhestand und bis vor zwei Jahren noch als Handballer und Turner aktiv, bedauert natürlich, dass der Chor in den vergangenen zehn Jahren um fast 40 Sänger geschrumpft ist. Wie viele Chöre, leiden auch die Turnersänger unter Überalterung und Nachwuchsmangel. Schon zum 80-jährigen Bestehen rief der langjährige Vorsitzende Willi Petig auf: „Liebe OTB-Väter und -Freunde, kommt zu uns in die Gesangsabteilung. Werdet aktive Turnersänger. Der Chor braucht jüngere, zur regelmäßigen Mitarbeit bereite Sangesfreunde.“

Und die Festschrift zum „100.“, für die Nußbaum über 1250 Fotos abfotografierte, schildert eindringlich, wie viel Geselligkeit es neben dem erfüllenden Gesang gibt: Herren- und Familientouren, Ausflüge, gemeinsame Theaterbesuche, Feiern und Feste haben neben den zahlreichen Auftritten und Konzerten aus den Sängern eine eingeschworene Gemeinschaft wachsen lassen.

Nußbaum berichtet stolz: „In den letzten drei Jahren war ich immer dabei, habe nie gefehlt.“ Trotz aller Werbung besteht die Gesangsabteilung im Jubiläumsjahr aber nur noch aus 20 Sängern — je fünf singen im 1. und 2. Tenor und im 1. und 2. Bass. Chordirektor FDB Klaus Möbius leitet den Chor seit 1987 und pflegt ein reichhaltiges Repertoire. Deutsche Volkslieder, ausländisches Liedgut, Operetten-Melodien, Opernchöre und Lieder aus der Unterhaltungsmusik vermittelt er „in seiner fröhlichen Art“. Er verstehe es, Tenöre zu „entrosten“, Bässe zu grundieren und alle Stimmen „auf Hochglanz zu polieren“, wie der 2008 verstorbene Willi Petig in seinem Aufruf 1991 schrieb.