Die Schwebebahnbrücke Alter Markt wird komplett saniert

Die Schwebebahnbrücke Alter Markt wird komplett saniert

Nach fast 50 Jahren wird die Schwebebahn-Brücke am Alter Markt komplett saniert.

Barmen. Er arbeitet zwar schon reichlich weit oben, aber längst nicht so hoch wie einige seiner Kollegen: Klaus Borkowski-Zemmek streicht auf dem Dach der Schwebebahn-Haltestelle Alter Markt den querliegenden Metallriegel. Doch die Runderneuerung reicht bis hinauf an die 38 Meter hohen Pfeiler. Seit Monaten sind sie und einzelne Bereiche der Haltestelle verpackt, als gehörten sie zu einem Christo-Kunstwerk.

Foto: Anna Schwartz

Hinter den Bauplanen ist oft Höllenlärm zu hören. Grund für Verpackung und Krach ist ein Neuanstrich aller Stahlteile des Bauwerks: Bevor die neue Farbe kommt, muss die alte ab — mit Sandstrahlern. Bei der letzten Prüfung fiel auf, dass der Stahl und vor allem die Seile schon so viele Farbschichten tragen, dass die Stadtwerke eine Runderneuerung beschlossen.

Nun dröhnt es Fahrgästen und Passanten in den Ohren, wenn der Sand mit viel Druck die alte Farbe wegspritzt. Darin ist — dank anderer Standards für Farben in den 60er Jahren — noch Blei. Das giftige Gemisch kommt auf eine Spezialdeponie.

Damit davon während des Sandstrahlens so wenig wie möglich an die Umwelt kommt, ist alles eingepackt. Die Luft wird abgesaugt, die Mitarbeiter betreten ihren Arbeitsplatz durch Schleusen. Durch lange Schläuche rast der Sand nach oben, ebenso lange Schläuche saugen die dreckige Luft ab. Wer oben arbeitet, kann aber erst einmal keine Aussicht genießen: Die Plane versperrt jede Sicht. Erst wenn’s ans Streichen geht, sind Löcher erlaubt — zum Gucken und für frische Luft.

Der neue Anstrich hat je nach Lage drei bis vier Schichten, um Schäden und Rost möglichst lange fernzuhalten. Klaus Borkowski-Zemmek trägt bereits die silber-graue Schlussbeschichtung auf, Farbe „DB 701“ — der gleiche Ton wie zuvor. „Angenehm“, findet er seinen Arbeitsplatz in der Plastik-Halle auf dem Dach. Nur wenn die Sonne scheint, „dann wird’s warm. . .“, sagt er vielsagend.

Etwa 80 Prozent der Fläche sind bereits geschafft. Die Seile der Westseite sind gestrichen, es fehlen die Seile auf der Ostseite, an denen die Arbeiter mit einer Kabine entlang fahren werden. Für die muss demnächst ein Extra-Kran installiert werden. Aber „im Herbst“ soll alles fertig sein. Wann genau, hängt auch vom Wetter ab.